Tourismusbranche : Umstrittener Finanzinvestor steigt bei Tui ein

Der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte ist millionenschwer beim Reise- und Schifffahrtskonzern Tui eingestiegen - und verlangt die Absetzung von Konzernchef Michael Frenzel - seinem Erzfeind.

Wyser-Pratte
US-Investor Wyser-Pratte steigt bei Tui ein. -Foto: dpa

Hannover/DüsseldorfWyser-Pratte erwarb nach eigener Darstellung für rund 40 Millionen Euro ein Prozent der Tui-Aktien. "Ich komme nicht zu einem Freundschaftsbesuch. Frenzel muss gehen", sagte Wyser-Pratte dem "Handelsblatt". Der Investor hatte bei mehreren deutschen Unternehmen einen Radikalumbau gefordert und damit zum Teil auch Erfolg gehabt. Ein Tui-Sprecher in Hannover sagte, die Tui könne den Einstieg von Wyser-Pratte bislang nicht bestätigen. Ansonsten wolle die Tui das Thema nicht kommentieren.

An der Börse verzeichnete das Tui-Papier massive Kursgewinne. Die Aktie stieg am Morgen um mehr als fünf Prozent auf rund 19 Euro. Frenzel steht wegen der schwachen Entwicklung des Aktienkurses und der Tui-Ertragsschwäche bei Anlegern seit langem in der Kritik. Für das Geschäftsjahr 2006 hatte es keine Dividende gegeben. Investoren hatten wiederholt eine Aufspaltung des Konzerns gefordert - dies dürfte nun auch Wyser-Pratte vehement verlangen.

"Es gibt keine vernünftige Strategie"

Der US-Investor warf Frenzel massives Missmanagement vor. "Es gibt keine vernünftige Strategie, keine Transparenz und keine Leistung. Egal welchen Maßstab man anlegt - Tui liegt immer spektakulär unter dem Durchschnitt", sagte Wyser-Pratte. Er wisse, dass er mit seiner Kritik an Frenzel nicht alleine stehe.

Wyser-Pratte gilt als einer jener Finanzinvestoren, die Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) einst als "Heuschrecke" bezeichnet hatte. Das Vorgehen des US-Amerikaners ist Beobachtern zufolge immer das gleiche: Wyser-Pratte kauft sich bei einem niedrigen Aktienkurs mit einer kleinen Beteiligung ein, verbündet sich mit anderen Minderheitsaktionären, setzt gemeinsam mit ihnen das Management unter Druck und fordert einen radikalen Unternehmensumbau. Beispiele in jüngster Zeit sind der Industriekonzern KUKA (früher IWKA), der Handyzulieferer Balda und der Bahntechnik-Konzern Vossloh. Beim Fotodienstleister Cewe Color forderte Wyser-Pratte zusammen mit anderen Hedge-Fonds kreditfinanzierte Sonderausschüttungen. Die Hauptversammlung lehnte dies allerdings ab.

Feindschaft zwischen Frenzel und Wyser-Pratte

Tui ist der erste Dax-Konzern, den der Amerikaner angreift. Wyser-Pratte und Frenzel sind laut "Handelsblatt" miteinander verfeindet, seit der Amerikaner mehr als 20 Millionen Euro mit einer Investition beim Maschinenbauer Babcock Borsig verloren hat. Wyser-Pratte habe Tui damals vorgeworfen, marode Unternehmensteile an Babcock übertragen zu haben. Babcock meldete 2002 Insolvenz an.

Bei der Tui gibt es derzeit keinen bestimmenden Großaktionär. Der überwiegende Teil der Aktien befindet sich im Streubesitz. Jeweils rund fünf Prozent halten die spanische Hoteliersfamilie Riu, ein spanisches Kreditinstitut sowie ein marokkanisches Finanzinstitut. Diese Aktionäre gelten als Frenzel-Verbündete. Ebenfalls fünf Prozent besitzt der norwegische Großreeder John Fredriksen, der als Anhänger einer Tui-Zerschlagung gilt. Mehr als fünf Prozent der Tui-Aktien hält auch eine Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers. (mit dpa)