Der Tagesspiegel : Traditions-Gaststätte bei Schloß Sanssouci wird saniert

ERHART HOHENSTEIN

POTSDAM .Nach jahrelangem Tauziehen um die unterhalb von Schloß Sanssouci gelegene Gaststätte "Zur historischen Mühle" begann gestern die Wiederherstellung des historischen, 1908/1909 auf Veranlassung Kaiser Wilhelms II.errichteten Bauwerks und des umliegenden großen Gartens.Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg hat dafür den Mövenpick-Konzern als wirtschaftsstarken Partner gewonnen.Es wird mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Mark für die Sanierung des Haupthauses und des Gartens gerechnet.Weiterhin soll der in der DDR-Zeit entstandene Anbau durch ein gläsernes Palmenhaus ersetzt werden.

Günter Wöss, Generaldirektor der Mövenpick-Restaurants, sagte, der mit der Stiftung ausgehandelte Kompromiß gewährleiste, daß im Haupthaus bei der Modernisierung alle denkmalpflegerischen Vorgaben eingehalten werden.Sie betreffen die Fassade, die Farbigkeit und Details wie Deckengestaltung, Fenster und Türen.Dagegen wolle man in Einrichtung und Beleuchtung moderne Kontraste setzen.Im Haupthaus werden ein Café mit 140 Plätzen und Bankettsäle für bis zu 120 Personen eingerichtet.Der neue Palmensaal, für ein Restaurant mit 160 Plätzen vorgesehen, füge sich in die Architektur des Ensembles ein.Solche Palmenhäuser seien auch in der Entstehungszeit der Gaststätte vielfach errichtet worden.Wiederhergestellt wird ebenso die den Gebäuden vorgelagerte Terrasse mit 300 Plätzen.

Rekonstruiert und nach historischem Vorbild neu bepflanzt wird der 400 Personen Platz bietende Gastgarten.Der alte Baumbestand wird nicht angetastet, die Umpflanzung mit Rosen erneuert.Mit der Anlage einer Fohlenwiese soll an die ursprüngliche Nutzung des Geländes als Viehkoppel erinnert werden.Die Koppeln waren seinerzeit von dem berühmten Gartengestalter Peter Joseph Lenné konzipiert worden.

Mövenpick hat die CBN-Projektconsult mit dem Projekt beauftragt.Die Entwürfe stammen von dem jungen deutsch-türkischen Architekten Sinan Parmakerli.Mövenpick will in der "Historischen Mühle" nicht nur Touristen versorgen, sondern das Restaurant in allen Jahreszeiten zu einem Anziehungspunkt machen.So denke man über ein Arrangement "Hochzeitmachen in Sanssouci" nach.Auch die traditionellen Gartenkonzerte würden wieder aufgenommen.Beim gestrigen Baustart drückte Stiftungs-Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg die Hoffnung aus, daß Mövenpick auch das Südtor-Wachhaus am Neuen Palais übernimmt, um am größten Schloß des Parks ebenfalls eine niveauvolle gastronomische Versorgung zu ermöglichen.Wöss schloß diese Möglichkeit nicht aus, Mövenpick wolle jedoch "step by step" vorgehen und sich nicht in Abenteuer stürzen.

Die Gaststätte "Zur Historischen Mühle" hat eine wechselvolle Geschichte.Sie wurde gebaut, um ein unterhalb der Neuen Orangerie gelegenes großes Caféhaus und Ausflugslokal zu ersetzen.Das von Hofbaurat Edmund Bohne errichtete Gebäude wurde so geschickt eingepaßt, daß es die Sicht von den Kolonnaden des Schlosses Sanssouci nicht störte.Hier wurden 1913 zur 25jährigen Regierungszeit Wilhelms II.die sogenannten Jubiläumsterrassen angelegt.Über Jahrzehnte blieb das Gebäude, mehrfach erweitert, ein bevorzugtes Sommerlokal auch der Potsdamer.1996 mußte es wegen baulichen Verfalls geschlossen werden.Der Versuch eines Nachfahren der ersten Pächterfamilie, vor etlichen Jahren die Gaststätte zu rekonstruieren, scheiterte an der Finanzierung.

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