Tragischer Unfall : Chef von Gut Hesterberg erschoss sich auf der Jagd

Auf der Grünen Woche in Berlin sollte er den Handel mit Wildfleisch aus Brandenburg ankurbeln. Doch Detlef Hesterberg ist zuvor im Alter von 61 Jahren ums Leben gekommen – ausgerechnet auf der Jagd und durch einen Kopfschuss.

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Neuruppin - Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Unfall aus. Der Mann galt als Vorzeigeunternehmer. Im Dorf Lichtenberg, einem Ortsteil der Stadt Neuruppin 75 Kilometer nordwestlich von Berlin, hat er im Jahr 2000 das Gut Hesterberg begründet, ein imposanter Dreiseiten mit großen Ställen, umgeben von viel Weideland für die hauseigene Zucht von Galloway-Weiderindern, für freilaufende Legehennen, Schweine und Schafe. 90 Mitarbeiter hat der Familienbetrieb, der sich der Produktion von naturbelassenen Lebensmitteln – von der Weide bis zur Schlachterei und eigenen Verkauf – verschrieben hat. Auch als Ausflugsziel ist Gut Hesterberg wegen des Hofladens und eigenem Restaurant beliebt. In Berlin ist Gut Hesterberg wegen seiner Filialen etwa im Friedrichshainer Ring-Center, in den Spandau-Arcaden, im Rathaus-Center-Pankow oder am Steglitzer Damm bekannt.

Neuerdings will das Unternehmen Wildfleisch aus der Mark an die Kundschaft bringen. Für die Vermarktung hatte der brandenburgische Jagdverband Gut Hesterberg für einen Sonderstand auf der Grünen Woche ausgewählt. Auch mit Brandenburgs Forst gab es Gespräche für eine Handelskooperation. „Wir brauchen solche Leute, die Wildfleisch intelligent vermarkten können“, sagte ein Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums. „Wir wollen zeigen, dass die Brandenburger Forsten nicht nur Holz liefern, sondern auch etwas, das gut schmeckt und gesund ist“, sagte Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbandes. Der Tod des Unternehmers überschattet nun die Werbeaktion auf der Verbrauchermesse unter dem Funkturm.

Wie die Familie mitteilte, kam Dieter Hesterberg am vergangenen Donnerstagnachmittag bei einem tragischen Unfall ums Leben, er hinterlässt seine Gattin sowie zwei erwachsene Kinder. Von der Staatsanwaltschaft Neuruppin hieß es, der Mann sei auf Fuchsjagd gewesen. Im laufenden Todesursachenermittlungsverfahren geht man bisher davon aus, dass Hesterbergs Repetierbüchse R93 nach einem ersten Schuss entsichert war. An einer Tränke rutschte er auf einer von Schnee bedeckten Eisplatte aus und stürzte auf die Waffe. Dabei löste sich der tödliche Schuss. Selbst der Schaft der Büchse war gebrochen. Einen geschossenen Fuchs fanden die Ermittler nicht.

„Fremdverschulden ist mit absoluter Sicherheit auszuschließen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher. Der Hersteller der Waffe habe bestätigt, dass eine solche Erschütterung ausreiche, damit sich ein Schuss löst. In „allen Einzelheiten“ lasse sich das Geschehen nicht rekonstruieren. Für einen Selbstmord gebe es keine Anhaltspunkte, sagte Schnittcher. In Neuruppin kursierende Gerüchte, dass Hesterberg hoch verschuldet gewesen sei, wollte der Jurist nicht kommentieren. Alexander Fröhlich

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