Trainer in der Krise : Schalke demontiert Slomka

Mirko Slomka unter Druck: Schalke 04 kreiert sich selbst eine Trainerdiskussion. Manager Andreas Müller soll einen Geheimauftrag haben - die Suche nach einem Top-Coach.

Ulli Brünger
Slomka
Es wird eng für Schalke-Coach Mirko Slomka. -Foto: ddp

Gelsenkirchen Beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 hängt nach dem bitteren 0:1 bei Bayer Leverkusen der Haussegen schief. Chefcoach Mirko Slomka rückt am Dienstag immer mehr ins Zentrum der Kritik. Der Eindruck verstärkt sich: Es braut sich etwas zusammen. Die Verantwortlichen sind bis Dienstagmittag kaum zu einer Stellungnahme zu bewegen und liefern ein weiteres Beispiel für ungeschicktes Krisenmanagement. "Ich will jetzt erstmal nichts mehr sagen. Ich muss auch auf den inneren Frieden achten", meint Klubchef Josef Schnusenberg.

Die "Bild" berichtet, Schalke diskutiert intern bereits über eine Nachfolgeregelung für den umstrittenen Slomka. "Manager Andreas Müller hat den Geheimauftrag erhalten, einen Top-Coach zu suchen", schreibt die Zeitung und beruft sich auf Aussagen Schnusenbergs, die Interpretationsspielraum lassen: "Wir haben Handlungsbedarf, doch es wird keinen Schnellschuss geben. Vielleicht brauchen wir auf Schalke wirklich mal einen Chefcoach, der großes internationales Standing hat."

Schweigegelübde von Manager Müller

In der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" hatte der 67 Jahre alte Vereinsvorsitzende ebenfalls Spekulationen angeheizt. Es gebe "mehrere Möglichkeiten zu handeln", meint Schnusenberg nebulös. Offenbar wollen Schnusenberg und Müller, der sich nach dem 0:1 bei Bayer ein dreitägiges Schweigegelübde verordnet hat und sich bislang noch nicht äußert, zunächst mit dem Trainer reden. Man will sich laut Schnusenberg zusammensetzen und "ergebnisbezogen" miteinander sprechen.

Der Präsident, der sich selbst gern als "grenzenlosen Optimisten" bezeichnet, schwankt vor den schweren Partien in der Bundesliga am Samstag gegen Bayern München und am Mittwoch danach in der Champions League beim FC Porto (Hinspiel 1:0) zwischen Hoffen und Bangen. "Was ist denn, wenn wir gegen München und Porto gewinnen?", fragt Schnusenberg. Doch man kann sich nach den wütenden Fan-Protesten beim Bayer-Spiel vorstellen, was geschieht, falls der Tabellen-Fünfte auch das dritte Bundesligaspiel in Serie verliert und dann womöglich auch aus der Königsklasse ausscheidet. Schnusenberg betont immer, dass der Trainer vom Erfolg abhängig ist. Und die Mannschaft droht das klare Ziel - mindestens Platz drei in der Liga - aus den Augen zu verlieren.

Schwindende Unterstützung für Slomka

Doch nicht nur Schnusenberg, der intern offenbar zu mehr öffentlicher Zurückhaltung aufgefordert wurde, sondern auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates äußert sich kritisch. "Vor den Spielen gegen Bayern und Porto passiert mit Sicherheit nichts", sagt Clemens Tönnies in der "Westfälischen Rundschau", will dies aber nicht als Ultimatum verstanden wissen. Gleichwohl macht er keinen Hehl daraus, dass er die "eine oder andere personelle Entscheidung des Trainers nicht nachvollziehen" kann.

Fans und Kritiker verstehen nicht, warum Slomka dem seit Wochen formschwachen Peter Lövenkrands immer wieder eine Bewährungschance gibt und andererseits den im Winter für rund sechs Millionen Euro verpflichteten Offensivkräften Zé Roberto, Vicente Sanchez und Albert Streit kaum Einsatzzeiten einräumt. Lövenkrands war es auch, der mit einem unnötigen Ballverlust die schmerzhafte Niederlage bei Bayer einleitete, mit der Schalke weiteren Boden im Kampf um einen Liga-Spitzenplatz verlor. (dpa)