Der Tagesspiegel : Tramfahrer zur Bewährung verurteilt

Potsdam - Im Prozess um einen tödlichen Tram-Unfall im Juli vergangenen Jahres ist ein Straßenbahnfahrer der Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Monaten Haft zur Bewährung verurteilt worden. Ein 17-Jähriger war damals nach einem Volksfest von einer Straßenbahn überrollt worden. Der Junge verblutete noch am Unfallort. Er war offenbar aus einer geöffneten Tür der Bahn gestürzt, erfasst und mitgeschleift worden. Dabei hätte die Tram mit einer offenen Tür gar nicht fahren dürfen.

Die Richterin sah es nun als erwiesen an, dass der Straßenbahnfahrer in zwei Fällen gegen seine Sorgfaltspflicht verstoßen hat: Zum einen hätte er bei Abfahrt seiner Tram in den Rückspiegel schauen müssen. Zum anderen war der Sicherheitsmechanismus für die Tram-Türen durch einen Schalter in der Fahrerkabine ausgeschaltet. Nur deswegen war das von Zeugen beschriebene Fahren mit offener Tür überhaupt möglich. Der Schalter konnte in dieser Position aber nur stehen, weil er nicht mit einer funktionsfähigen Plombe gesichert worden war, „wie normalerweise notwendig“, sagte die Richterin. Von einer möglichen Mitschuld der Verkehrsbetriebe (ViP) sprach sie allerdings nicht.

Der Staatsanwalt hatte dagegen von einer „Mitschuld“ des ViP gesprochen, weil es dem Fahrer „sehr leicht“ gemacht worden sei, den Türnotschalter zu manipulieren. Der Ankläger hatte ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert. Die Richterin sagte in ihrer Urteilsbegründung dagegen: Es deute zwar viel darauf hin, dass der angeklagte Tramfahrer den Hebel selbst betätigt habe – aber es könne auch sein, dass ihm dessen falsche Stellung nur nicht aufgefallen sei. HK

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