"Transparenz-Offensive" : Brandenburg lehnt Zöllners Schulvergleich ab

Gemeinsame Bildungsregion, getrennte Wege: Brandenburgs Abiturienten werden künftig benachteiligt. Die Länder können sich nicht auf ein Unterrichtspensum einigen und streiten über die Abwerbung von Lehrern aus Berlin.

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Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) will Zöllners Berlin-Konzept "auf keinen Fall eins zu eins übernehmen".
Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) will Zöllners Berlin-Konzept "auf keinen Fall eins zu eins übernehmen".Foto: dpa

In Brandenburg soll es keine „gläsernen Schulen“ nach Berliner Vorbild geben: Die Transparenz-Offensive, die Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gerade den Hauptstadt-Schulen verordnet, wird in Brandenburg keine Nachahmung finden. „Es gibt interessante Ansätze. Aber wir werden das auf keinen Fall eins zu eins übernehmen“, sagte der Potsdamer Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) am Donnerstag dem Tagesspiegel am Rande der gemeinsamen Sitzung der Schulausschüsse von Abgeordnetenhaus und Landtag in Potsdam. Dort wurde gleich mehrfach deutlich, dass Berlin und Brandenburg – trotz der propagierten „gemeinsamen Bildungsregion“ und ähnlich miserabler Ergebnisse bei bundesweiten Leistungstests, trotz mittlerweile angeglichener Lehrpläne, fusionierter Institute und einheitlicher Prüfungen - inzwischen zunehmend getrennte Wege in der Bildungspolitik gehen. Der jüngste Fall: Brandenburgs Schüler werden nach Tagesspiegel-Recherchen beim Zentralabitur beider Länder, das in Englisch, Mathe, Deutsch und Französisch abgelegt wird, künftig gegenüber Berlinern benachteiligt sein. Beide Länder können sich nicht auf ein einheitliches Unterrichtspensum für die gymnasiale Oberstufe einigen.

Brandenburg ist wegen sinkender Schülerzahlen und damit immer kleinerer Schulen gezwungen, in der Oberstufe die Leistungskurse von 5 auf 4 Wochenstunden und die Grundkurse von 3 auf 2 Wochenstunden zu reduzieren. Anders kann keine Fächervielfalt mehr garantiert werden. Rupprecht hatte bis zuletzt gehofft, dass Berlin mitzieht, da das Brandenburger Modell ohnehin der bundesweite Trend sei. Doch erteilte dem Zöllner nun eine Abfuhr. „Ein Flächenland ist anders. Es wäre in Berlin politisch nicht zu rechtfertigen. Dieses Modell wird in Berlin nicht kommen können.“ Die Folge: Brandenburgs Abiturienten werden ab 2012 die gleiche Abiturprüfung wie in Berlin ablegen, hatten aber weniger Unterricht.

Nicht nur hier hakt es. Rupprecht und Zöllner mussten sich von Abgeordneten der CDU, Grünen, FDP, aber auch der Linken Kritik anhören, dass sich beide rot-rot regierten Länder weiterhin gegenseitig Lehrer abwerben, es keine abgestimmte Ausbildung von Pädagogen gibt. Die sei, so entgegnete Zöllner, wegen bundesweiter Defizite nicht möglich. Rupprecht wiederum stellte klar, dass Brandenburg weiter um Lehrer aus Berlin wirbt und mit dem sofortigen Beamtenstatus lockt, während Berlin nur Angestellte einstellt. Sonst werde man keine Pädagogen für die berlinfernen Regionen finden.

Eigene Wege gehen beide auch, um die Schulen zu verbessern. Zwar setzt auch Rupprecht auf Transparenz, auf mehr Fortbildung von Lehrern, auf Krisenberatungsteams, die in schlechte Schulen geschickt werden. Doch so weit wie Zöllner geht er nicht. Die in Berlin geplante Veröffentlichungspflicht für Schulinspektionsberichte und für die Ergebnisse zentraler Vergleichsarbeiten lehnt Rupprecht ab, der es bei der Veröffentlichung von Prüfungsergebnissen im Vergleich zum Landesdurchschnitt auf den Schul-Homepages belassen will. Was darüber hinausgehe, laufe „auf Rankings“ hinaus, deren Aussagekraft zum Leistungsvermögen der Schulen aber begrenzt seien, sagte Rupprecht. „Manche Schulen sind nicht vergleichbar: Eine Schule mit schlechteren Ergebnissen ist vielleicht besser als eine von der Klientel, vom Einzugsgebiet verwöhnte Schule“. Dies sei in Brandenburg genauso wie in Berlin.

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