Der Tagesspiegel : Trauer um eine Außergewöhliche

"Wir nehmen von einer Frau Abschied, die ihre Pflicht erfüllen wollte bis ans Ende. (...) Die Haltung, die sich in ihrem rastlosen Einsatz bis zuletzt ausprägte, findet auf eine besondere Weise ihr Echo in einem Satz des Neuen Testaments, der uns für den heutigen Tag als Leitwort gegeben ist. Im ersten Brief an Timotheus lesen wir: "Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht austeilt". ( ...)

Wie außergewöhnlich Regine Hildebrandt war, zeigte sich nicht nur im Großen; es zeigte sich ebenso im Kleinen. Sprichwörtlich ist die hingebungsvolle Treue, mit der sie die Menschen bekochen und bebacken wollte, die zu ihr zu Besuch kamen. Aber ebenso beeindruckend war, wie sie mit den Menschen umging, die in ihrem Ministerium mit ihr zusammenarbeiteten. Sie forderte nicht nur viel von ihnen. Sondern "mit großem Herzen" bedankte sie sich zum Jahresende bei allen zweihundertfünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (...).

Aber wir sind nicht nur zusammen, um die ungewöhnlichen Leistungen einer ungewöhnlichen Frau zu würdigen. Uns führt vor allem die Hoffnung zusammen, die über die Grenzen unserer Leistungen und über die Grenzen des Todes hinausweist. Regine Hildebrandt hat diese Hoffnung des christlichen Glaubens auf ihre besondere Weise gelebt. Die Hoffnung des Glaubens reicht über den Tod hinaus und weist uns auf die Liebe Gottes, die uns mit den uns Vorausgegangenen verbindet. Als Regine Hildebrandt starb, haben Menschen für Augenblicke den Atem angehalten, ihre Arbeit unterbrochen, den Tränen freien Lauf gelassen. ( ...) Die Enkelkinder von Regine Hildebrandt haben nach dem Tod ihrer über alles geliebten Großmutter Bilder gemalt, unter die sie in verschiedenen Farben schrieben: "Viel Glück im Himmel" und "Hoffentlich geht es dir jetzt gut". Was die Kinder hoffen, erbitten wir auch, wenn wir sagen: "Sende dein Licht und deine Wahrheit. (...) Nimm Regine Hildebrandt auf in dein Reich."

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