Trauerfeier für Loriot : Abschied vom Meister des Humors

Mit einer Trauerfeier gedachte Brandenburg/Havel seines Ehrenbürgers Loriot. In seiner Geburtstadt Brandenburg fehlte es nicht an Gesprächsstoff.

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Künstler von Format. In der Brandenburger St. Gotthardkirche fand am Sonnabend die Trauerfeier für Loriot statt. Fotos: dpa/Jens Kalaene (3), dapd/Klaus-Dietmar Gabbert, Eventpress/Radke
Künstler von Format. In der Brandenburger St. Gotthardkirche fand am Sonnabend die Trauerfeier für Loriot statt. Fotos: dpa/Jens...Foto: dpa

Brandenburg/Havel - Das hätte Loriot sicherlich gefallen: Nach der Gedenkfeier in der vollbesetzten St. Gotthardkirche in der Altstadt von Brandenburg strömten die Gäste am Samstagmittag nicht einfach auseinander. Sie setzten sich vielmehr auf dem Kirchplatz an die eigens aufgestellten Tische und tauschten bei Kaffee, Kuchen oder Erbsensuppe ihre Erinnerungen an den vor vier Wochen gestorbenen Humoristen aus.

Gerade in seiner Geburtstadt Brandenburg fehlte es da nicht an Gesprächsstoff. Nach der Gedenkfeier mit rund 1000 Gästen, darunter Vicco von Bülows Witwe Rose-Marie und Tochter Susanne, gingen die Unterhaltungen weit über die unvergessenen Sketche hinaus. Viele erinnerten sich an Loriots zahlreiche Besuche in der Stadt und sein großes soziales Engagement, für das er nicht zuletzt 1993 die Ehrenbürgerschaft erhalten hatte.

Da machte ein selbst geschriebenes Gedicht der 15-jährigen Denise Seidel vom Saldern-Gymnasium an den Tischen die Runde. „Die große Welt denkt auch an dich, Ich weine nicht, es weint der Himmel. Mit Regentropfen ins Gesicht. Du bleibt in unseren Herzen immer“, lautet eine Passage. „Loriot hat uns eben nicht nur mit seinen Witzen begeistert“, sagte Denise. „Er hat uns geholfen, unsere Kinderwünsche zu erfüllen.“ Dann erzählte sie, dass sie zu den Empfängern eines Loriot-Stipendiums gehöre. Erst das habe ihr ermöglicht, ein Instruments an der städtischen Musikschule zu erlernen.

87 Brandenburger Kinder und Jugendliche vorwiegend aus benachteiligten Familien erhielten in den vergangenen fünf Jahren Geld für zusätzliche Übungsstunden oder den Kauf eines Instruments. „Loriot machte aus seinem sozialen Engagement kein großes Aufsehen“, sagte Fritz Musfeld, Geschäftsführer der Vicco-von-Bülow-Stiftung.

Immer wieder kamen die Trauergäste auf den ersten Loriot-Besuch im mit damals 1500 Menschen gefüllten Brandenburger Dom zu sprechen. Obwohl die DDR-Medien 1985 kein Wort über die Ausstellung verloren, lockte das Ereignis Massen von Besucher in das damals noch einsturzgefährdete Gotteshaus. „Auf Schreibblöcke, Taschen und sogar Hände und Arme malte Loriot damals seine Knollennasenmännchen “, erinnerte sich eine ältere Brandenburgerin. „Selbst den Personalausweis hielten ihm die Leute hin.“ Der heute im Stadtarchiv aufbewahrte Bericht des damaligen Vize- Oberbürgermeisters spricht Bände: „Die Veranstaltung verlief ohne Vorkommnisse und hatte keine Angriffe gegen den Staat zum Inhalt.“ Loriot dagegen war von dem Empfang so berührt, dass er damals um Fassung rang. „Das steckt tief hier – im Herzen – drin“, sagte er. Nach der Wende engagierte er sich für die Restaurierung des Doms und des frühbarocken Taufdeckels in der St. Gotthardkirche, wo er am 30. Dezember 1923 getauft wurde – und wo nun die Trauerfeier stattfand.

Ganz ganz im Sinn des Humoristen gab es dabei auch heitere Momente, als Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann aus Loriots Ehrenbürgerrede zitierte. So habe er damals gesagt: „Jetzt darf ich endlich bei Rot über die Kreuzung fahren, Einbahnstraßen in jeder Richtung benutzen, ganztägig im Halteverbot parken, Müll abladen auf öffentlichen Grünflächen, nach Herzenslust das Notsignal in Bussen und Straßenbahnen bedienen, im Volksbad baden, auch wenn das Wasser abgelassen ist, und was der Dinge mehr sind, die das Leben eines Ehrenbürgers sinnvoll machen.“ Die Oberbürgermeisterin fügte trocken hinzu: „Seine Ankündigungen hat er nicht wahr gemacht. Das spricht natürlich für ihn.“

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