Der Tagesspiegel : Trekkingtour: Stehen fünf Kamele in der Prignitz ...

Claus-Dieter Steyer

Ein Kamel? Ist das wirklich ein Kamel? Zweifelsohne: Das gelbe Tier mit Höcker und X-Beinen dort auf der Brandenburger Wiese ist ein original Wüstenschiff. Aber es gastierte gar kein Zirkus in der Nähe, dem eine seiner Attraktionen ausgebüxt ist. Oder stammt das Tier von einem Transporter, der auf dem Weg von einem Tierpark zum anderen eine Rast eingelegt hat?

Nein. Die Kamele stehen zu jeder Zeit an diesem Ort und am Wochenende findet sogar das erste Fest rund um diese exotischen Tiere statt. Die Reise geht in die Prignitz, nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Kilometer hinter dem an einer einsamen Allee stehenden Hinweisschild "Tacken im Busch" rücken die Kamele ins Blickfeld. Fünf Tiere grasen friedlich zusammen. Ihr einzelner Höcker wies sie als Dromedare aus. "Willkommen beim Kameltreiber", grüßt Erich Schlinkhoff schon von weitem. Das sei kein Schimpfwort. Er hege durchaus Hochachtung für die Tiere. "Kamele sind sehr intelligent, gelehrig und stolz."

Seit einem Jahr sind Schlinkhoff und seine ebenfalls aus der Kölner Gegend stammende Lebenspartnerin Uschi Friedrich Herrscher über fünf Kamele: die Damen Fatima, Laila, Shila und Salome und den zweijährigen Sultan. "Wir wollten einfach etwas Besonderes aufziehen und züchten", erzählt Erich Schlinkhoff. "Pferde, Rinder oder Schweine gibt es schon genug in dieser Gegend." Seine Partnerin habe den in großer Abgeschiedenheit liegenden Hof von der Mutter übernommen. "Wir bauen gerade Ferienwohnungen aus, um schon im nächsten Jahr Trecking-Touren auf dem Rücken der Kamele durch unsere herrliche Landschaft anzubieten." Bisher reiche der Platz nur für Zelte und Wohnwagen. So ein Ritt erfordere einige Übungen. Denn ein Kamel laufe ganz anders als ein Pferd. "Beide Beine einer Seite werden gleichzeitig bewegt, so dass dieser typische Passgang zustande kommt", erklärt der selbsternannte Kameltreiber. Ausgediente Eisenbahnwaggons sollen ebenfalls bald als Unterkunft zur Verfügung stehen.

Die fünf Tiere stammen von einem Züchter aus dem Schwarzwald. Schon äußerlich sind die Geschlechter zu erkennen. Die weiblichen Geschöpfe tragen eine weiße Haut, während der Herr im Bunde braun auf die Welt kam. "Sie fühlen sich bei uns sehr wohl", sagt Uschi Friedrich. Das ganze Jahr stünden sie auf der Weide. "Zu kalt wird es ihnen auf keinen Fall. Denn schließlich sinken die Nachttemperaturen in der Wüste auch bis minus 40 Grad." Die Neu-Prignitzer halten Kontakt zum Tierpark Erfurt, der lange Erfahrungen in der Kamelzucht besitzt. Auf den Rat von Fachleuten hin entstand hinter dem Haus eine Mini-Sahara, wo sich die Tiere nach Herzenslust im Sand wälzen können.

An diesem Sonnabend und Sonntag wird der Hof in Tacken zum ersten Kamelfest geöffnet. Ab elf Uhr gibt es Informationen, Musik, Tanz, Attraktionen eines kleinen Zirkus und Kölsch. Der schnellste Weg von Berlin nach Tacken führt über die Autobahn A 24 Richtung Hamburg bis zur Ausfahrt Putlitz und von dort über Putlitz, Lockstädt nach Tacken. Am Ortsausgang zweigt der Weg zu "Tacken im Busch" ab. Nach Anmeldung unter Telefon 038789/60 000 sind Hofführungen auch an anderen Tagen möglich.

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