Der Tagesspiegel : Trittin will den Spreewald retten

Claus-Dieter Steyer

Neu Lübbenau – Knapp elf Millionen Euro sollen den von Austrocknung und Versteppung bedrohten Spreewald retten. Mit dem Geld, das Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) gestern in Neu Lübbenau symbolisch den Kommunalpolitikern überbrachte, kann natürlich kein zusätzlicher Regen in diese Lagunenlandschaft gezaubert werden. Aber das durch die Klimaveränderung und die Aufgabe der meisten Braunkohletagebaue knapper gewordene Wasser muss länger in der Landschaft bleiben. Dafür verändert Brandenburgs beliebteste und bekannteste Tourismusregion bis zum Jahre 2013 ganz sanft sein Gesicht. 25 Kilometer Altarme der Spree werden geöffnet, 200 Hektar große und fast trockene Moorwiesen überschwemmt und der Wasserspiegel deutlich angehoben. Insgesamt sind rund 100 größere Eingriffe vorgesehen.

Trittin verteidigte die „fürstliche Entscheidung“, so viel Geld der Steuerzahler in ein vergleichsweise so kleines Gebiet zu stecken. Ursprünglich waren vor zwei Jahren für das „Gewässerrandstreifenprojekt Spreewald“ genannte Vorhaben sogar noch fast fünf Millionen Euro mehr vorgesehen. „Ich habe gerade einen dreitägigen Spreewaldurlaub genießen können, den mir meine Freunde zum 50. Geburtstag geschenkt haben“, sagte der Minister. „Da habe ich gemerkt, was die Menschen hier wollen – sie sehnen sich nach einem Stück unverwechselbarer Natur. Sie geben hier Geld aus und sichern damit die Existenz von Kahnfährleuten, Fischern, Landwirten, Hoteliers und Gastwirten.“ Doch diese einmalige Landschaft sei keine Wildnis, sondern eine von Menschen geschaffene Idylle. Deshalb sei es notwendig, diese Arbeiten des Menschen auch weiterhin zu finanzieren.

Die Lage des Spreewaldes mit seinen rund 1000 Kilometer langen Fließen ist ziemlich paradox. Denn in den vergangenen Jahrzehnten profitierte das Paradies von einer unvergleichlichen Naturzerstörung einige Kilometer flussabwärts. Aus den riesigen Tagebaugruben wurden gewaltige Mengen Grundwasser in die Spree abgepumpt. Heute steht nach dem Abschalten der Gruben nur noch ein Drittel dieser Wassermenge zur Verfügung. Buchstäblich jeder zusätzliche Tropfen läuft außerdem in die aufgegeben Gruben, aus denen in den nächsten 20 Jahren eine große Seenkette entsteht.

Die Folgen sind nicht nur für die Kahnfährleute dramatisch. Im stehenden oder niedrigen Fluss finden Fische nicht mehr genügend Sauerstoff, Arten verschwinden und Bäume verlieren ihren Halt. In den nächsten Monaten müssen rund 3000 Pappeln und Erlen gefällt werden. Sie waren zu einer Gefahr für Touristen und Einheimische geworden.

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