Trockenheit : In Brandenburg herrscht Brandgefahr wie in Spanien

In den brandenburgischen Wäldern gibt es keine Entwarnung. Das Feuer nahe Jüterbog schwelt weiter. Das Land setzt auf Kameraüberwachung.

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Nach dem Feuer in der Nähe von Jüterbog. Das ehemalige Truppenübungsgelände ist gefährdet und gefährlich. Eine Bildergalerie.Alle Bilder anzeigen
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14.07.2010 11:29Nach dem Feuer in der Nähe von Jüterbog. Das ehemalige Truppenübungsgelände ist gefährdet und gefährlich. Eine Bildergalerie.

Die Waldbrandgefahr bleibt weiter groß, trotz der Niederschläge der vergangenen Tage. „Momentan brennt es schon wieder an mehreren Orten, vor allem in Südbrandenburg“, sagte der für die Waldbrandzentrale in Wünsdorf zuständige Betriebsleiter Raimund Engel bei einem Besuch von Ministerpräsident Matthias Platzeck. „Vor allem das vor einer Woche auf dem früheren Truppenübungsplatz bei Jüterbog ausgebrochene Feuer schwelt weiter.“ Das werde wohl auch noch in den nächsten Wochen so weitergehen, weil die Feuerwehr wegen der Munitionsbelastung das Gebiet nicht betreten und daher den Brand nur von außen bekämpfen könne.

Brandenburg selbst ist das in Deutschland am stärksten von Waldbränden bedrohte Bundesland. „Das liegt vor allem an dem gesunkenen Grundwasserstand, den wenigen Niederschlägen und der bei uns vorherrschenden Kiefer“, sagte Hubertus Kraut, Direktor des Landesbetriebes Forst. „Der hohe Harzanteil in den Kiefern brennt wie Zunder und die heraustretenden ätherischen Öle explodieren bei Feuer geradezu.“ Eichen, Buchen und andere Laubbäume würden einem Brand viel besser widerstehen können. Deshalb baue Brandenburg seit Jahren seine Waldflächen schrittweise von einer Kiefernmonokultur zu einem Mischwald um. So lange stehe das Land laut EU auf einer Gefährdungsstufe wie Spanien und Portugal.

Bislang gab es in diesem Jahr in Brandenburg 201 Waldbrände. Da es mit der Selbstdetonation von alter Munition und Blitzschlag nur zwei natürliche Ursachen gibt, gehen die anderen Feuer auf vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung etwa durch eine arglos weggeworfene Zigarette zurück. 272 Hektar Wald wurden zerstört, wobei allerdings 230 Hektar allein auf den früheren Übungsplatz bei Jüterbog entfallen.

Das rund 7000 Hektar große Gelände gilt bei der Feuerwehr inzwischen als Deutschlands Pulverfass Nummer eins. Nirgendwo sonst brennt es häufiger und heftiger. Zwar gibt es gerade im Land Brandenburg vieler solcher Übungsplätze, auf denen früher russischen Truppen und DDR-Armee übten. Doch selbst auf dem von der Bundeswehr zuletzt als „hochgradig mit Blindgängern und Munition sowjetischer Bauart belastet“ bezeichneten „Bombodrom“ bei Wittstock brannte es bisher nicht. „Bei Jüterbog liegen Unmengen von Wehrmachtsmunition in der Erde“, erläutert der Revierförster Jens Bandelin. „Kurz vor dem Eintreffen der sowjetischen Front im Frühjahr 1945 sollten die Bestände einer Munitionsfabrik hier gesprengt werden, um sie dem Feind nicht zu überlassen.“ Doch alles sei in größter Hektik passiert, sodass am Ende große Bestände vergraben wurden. Dann hätten die Russen das Gelände beschlagnahmt und erst 1992 freigegeben. „Sofort machten sich vermeintliche Schatzsucher mit den alten Karten der Wehrmacht auf die Suche nach der Munition und gruben unbehelligt von Polizei die unterirdischen Lager aus“, berichtet der Revierförster. Doch nur die großen Stücke seien für sie interessant gewesen. Der große Rest roste jetzt vor sich hin und gibt nach und nach den eingelagerten Phosphor frei. Der entzünde sich bei hohen Temperaturen und löse die Brände aus.

Abhilfe könnte nur eine flächendeckende Suche durch den Munitionsbergungsdienst bringen. Doch die Kosten dafür wären im Moment unbezahlbar. Daher setzt Brandenburg auf das Kamerasystem „Fire Watch“. Die ursprünglich aus der Weltraumforschung stammende Technik erkennt Rauchsäulen auf einer Entfernung von bis zu 30 Kilometern. 107 Kameras decken das ganze Land ab und haben längst die ehemals 133 Feuerwachtürme ersetzt. Erfassen die Sensoren einen Waldbrand, der immer durch weißen Rauch gekennzeichnet ist, schrillen in der Waldbrandzentrale Wünsdorf und in den Außenstellen die virtuellen Alarmglocken“ auf Computerbildschirmen. Erfahrene Mitarbeiter geben die Brandmeldung an die Feuerwehr weiter, die dann sofort ausrückt. Vor allem deshalb hielten sich die Verluste bisher noch in Grenzen.

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