Trotz Besucherrekords : Gedenkstätte Sachsenhausen braucht mehr Geld

Pro Jahr kommen mehr als 500.000 Menschen in die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Sachsenhausen. Auch Ravensbrück besichtigen 150.000 Menschen. Doch nun müssen notwendige Bauinvestitionen gestoppt werden.

Wer mit dem Regionalexpress nach Oranienburg fährt, staunt immer wieder über die vielen interessierten Touristen, die sich auf den Weg zur Gedenkstätte machen.
Wer mit dem Regionalexpress nach Oranienburg fährt, staunt immer wieder über die vielen interessierten Touristen, die sich auf den...Foto: dpa

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten verlangt angesichts des stetig wachsenden Besucherinteresses mehr Geld von Bund und Land. „Wir fahren unsere Ausstellungen in den früheren KZ Sachsenhausen und Ravensbrück auf Verschleiß“, sagte der Stiftungsdirektor Günter Morsch in Oranienburg. „Der Fehlbedarf liegt zwischen 300.000 und 500.000 Euro, zumal auch die gestiegenen Personal- und Energiekosten unseren Haushalt extrem belasten.“ Dieser umfasst knapp 5.9 Millionen Euro und wird fast zur Hälfte vom Land Brandenburg und dem Bund finanziert. Brandenburg sei mit zusätzlich 90.000 Euro in Vorleistung gegangen, aber vom Bund würde es mit Hinweis auf „fehlende Haushaltmittel“ keine Erhöhung des Etats geben.

Neue Tafeln, neue Kopfhörer - es fehlt das Geld

Im Vorjahr wurden erstmal in Sachsenhausen mehr als eine halbe Million Besucher gezählt, vor 20 Jahren waren es nur 168.000. Ravensbrück steigerte die Zahl vor allem wegen der neuen Dauerausstellung auf 150.000 Gäste. Jetzt müssten überall dringend notwendige Bauinvestitionen gestoppt werden, um mit dem Geld die größtenteils 20 Jahre alten Ausstellungen zu pflegen. „Gewöhnlich muss eine Ausstellung nach zehn Jahren erneuert werden“, sagte Professor Morsch. So seien beispielsweise im jüdischen Museum der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen die Oberflächen der Informationstafeln abgenutzt und die Kopfhörer an den Hörstationen erheblich beschädigt. In Ravensbrück würden von den vor zehn Jahren angeschafften  Ausstellungstafeln über die weiblichen Aufseherinnen des KZ chemische Dämpfe ausgehen, die einen längeren Aufenthalt in den Räumen unmöglich machten. Hier müsse dringend etwas verändert werden. Nur leide fehle dafür das Geld.

Schulklassen zahlen nur 15 Euro

Eine Diskussion über Eintrittspreise für die Gedenkstätten lehnte der Stiftungsdirektor ab. „Wir sind internationale Friedhöfe und dafür muss niemand etwas bezahlen“, unterstrich Professor Morsch. Auch alle anderen Leistungen für die Besucher würden mit Absicht niedrig gehalten. So koste die Führung einer ganzen Schulklasse nur 15 Euro, Tagesprojekte für Schüler würden mit 25 Euro zu Buche schlagen.

Zu DDR-Zeiten zählte die damalige „Nationale Mahn- und Gedenkstätte“ pro Jahr rund 400.000 Besucher. Davon waren allerdings die Hälfte Soldaten der Sowjetarmee. Vom Rest entfiel ein großer Teil auf organisierte Besuche von Schülern. Heute kommen 41 Prozent der Tilnehmer an den jährlich 2700 Führungen aus dem Ausland.

Das Gelände des früheren KZ Sachsenhausen in Oranienburg ist täglich von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet, ab 15. März bis 18 Uhr. Montags sind die Museen, das Archiv und die Bibliothek geschlossen. Die Open-air-Dokumentation „Mord und Massenmord im KZ Sachsenhausen", der Gedenkort „Station Z“ sowie das Besucherinformationszentrum sind täglich zugänglich. 

Mehr Details unter www.stiftung-bg.de

       

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