Der Tagesspiegel : Trotz Krise: Berliner weiter in Reiselaune Auch die Winterferien

nutzen sie ausgiebig

Sebastian Leber

Berlin - Die Schnäppchen sind knapp geworden, aber es gibt sie noch: Wer bis Sonntag seine Koffer packt, kann von Tegel aus direkt an die portugiesische Algarve fliegen. Für 380 Euro, mit sieben Übernachtungen im Vier-Sterne-Hotel. Das Last-Minute-Geschäft läuft überraschend gut, sagt der Mann vom L’Tur-Shop am Flughafen Tegel. „Von Rezession ist hier nichts zu spüren.“

Auch andere Reisebüros bestätigen, dass die Berliner trotz Finanzkrise in Reiselaune sind – und viele die gerade begonnenen Winterferien für einen Kurztrip nutzen. Der Großteil der Reisen wurde allerdings bereits im vergangenen Herbst gebucht, schränkt TUI-Sprecher Michael Blum ein. „Und damals war das Ausmaß der Krise ja noch nicht absehbar.“ Trotzdem: Auch bei den aktuellen Buchungen für den Sommerurlaub lässt sich laut Blum „allenfalls eine ganz leichte Tendenz zur Zurückhaltung“ ausmachen.

Alexandra Rieck vom Internet-Reisebüro lastminute.de kann „im Moment überhaupt nicht feststellen, dass die Berliner weniger buchen“. Vielmehr gebe es sogar Destinationen, die von der Krise profitierten. London zum Beispiel. „Hier haben die Buchungen in den letzten Wochen um 20 Prozent zugenommen“, sagt Rieck – weil der Pfundkurs zuletzt um ein Fünftel gesunken sei und zudem gerade die Mehrwertsteuer gesenkt wurde. Der Internetanbieter hat sogar eine eigene Seite mit „Finanzkrisen-Reisen“ eingerichtet. Dort findet man etwa den Tipp, dass Reisen nach Ägypten und Tunesien in diesem Sommer besonders günstig seien. Diese Urlaubsländer wurden in den Vorjahren stark von Russen aufgesucht – die litten jetzt mit am heftigsten unter der Krise.

In Berlin haben die Hotels bisher keinen Grund zur Klage: Die Touristenströme sind laut Thomas Lengfelder vom Hotel- und Gaststättenverband konstant – und sollen es im gesamten Jahr bleiben. Das liege unter anderem an den vielen Veranstaltungen zum Mauerjubiläum und der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, zu der bereits 170 000 Karten verkauft wurden. „Ich denke, wir werden mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt Lengfelder. Sebastian Leber

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