Türkei : Christen-Mörder vor Gericht

Sieben Monate nach dem Mord an einem deutschen und zwei türkischen Christen in einem Bibelverlag im türkischen Malatya müssen sich die mutmaßlichen Mörder vor Gericht verantworten. Sie hatten ihre Opfer gefoltert und ihnen die Kehlen durchgeschnitten.

IstanbulDie Staatsanwaltschaft wolle für die fünf Hauptverdächtigen lebenslange Haftstrafen fordern, berichteten türkische Medien. Die Angeklagten werden der Bildung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie des terroristischen Mordes beschuldigt. Zwei weitere Beschuldigte sind wegen Mitgliedschaft in einer bewaffneten Bande angeklagt.

Die Mörder hatten am 18. April in der Stadt im Südosten der Türkei einen 46-jährigen Deutschen und zwei zum Christentum übergetretene Türken getötet. Die Opfer waren an Stühle gefesselt und mit Messern gefoltert worden, bevor ihnen die Kehlen durchgeschnitten wurden. Medienberichten zufolge handelten die Mörder aus religiös-nationalistischen Motiven. Im Polizeiverhör sollen die zur Tatzeit zwischen 19 und 20 Jahre alten Verdächtigen angegeben haben, sie hätten den "Feinden" des Islams eine Lehre erteilen wollen.

Der Bibelverlag hat christliche Literatur und Kreuze verkauft und war bedroht worden. Wegen des Verkaufs christlicher Bücher in der Stadt war in der Lokalpresse seit längerem eine Debatte entbrannt. Die Verbreitung christlicher Literatur und christlicher Symbole wird von türkischen Extremisten als verbotene Missionarstätigkeit angesehen. Wegen der Morde hatte es international Kritik an der Situation von Christen in der Türkei und eine Diskussionen um religiöse Freiheiten in dem Land gegeben. (mit dpa)