Türkisch-Kurdischer Konflikt : Deutschland liefert PKK-Mitglieder aus

Zum ersten Mal seit Jahren werden von Deutschland wieder zwei hochrangige PKK-Mitglieder an die türkische Justiz überstellt. Den beiden Separatisten wird die Beteiligung an tödlichen Anschlägen auf türkische Soldaten zur Last gelegt.

IstanbulDie beiden Ausgelieferten sind führende Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Wie das türkische Justizministerium erklärte, standen Mehmet I. und Mehmet Esref K. bisher auf der Liste von 176 führenden PKK-Mitgliedern, die von der Türkei international gesucht werden. Türkische Regierungsvertreter werteten die Entscheidung der deutschen Behörden nach Medienberichten als Zeichen dafür, dass Europa das PKK-Problem inzwischen ernst nehme. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass hochrangige PKK-Mitglieder an die Türkei ausgeliefert worden sind.

Mehmet I. war nach Angaben des Ministeriums 1991 an einem Überfall im türkischen Südosten beteiligt, bei dem acht Menschen starben. Nach seiner Festnahme in Deutschland sei I. am 19. September in die Türkei gebracht worden. Zum Fall Mehmet Esref K. erklärte das Justizministerium, der PKK-Mann sei wegen des Verdachts der Ermordung eines Polizisten ebenfalls seit 1991 gesucht worden. Sieben Jahre später wurde K. zum ersten Mal in Deutschland festgenommen - seine Auslieferung an die Türkei scheiterte aber an der damals noch bestehenden Todesstrafe. Im März dieses Jahres sei K. zum zweiten Mal in Deutschland gefasst und in der vergangenen Woche an die Türkei ausgeliefert worden.

Auf der jetzt noch 174 Namen umfassenden Liste gesuchter PKK-Mitglieder stehen auch die PKK-Anführer Murat Karayilan und Cemil Bayik sowie der PKK-Schatzmeister Riza Altun, der trotz eines bestehenden Haftbefehls im Sommer von Frankreich über Österreich in den Norden Iraks reisen konnte. Die Flucht von Altun aus Westeuropa hatte in der Türkei den Vorwurf ausgelöst, die PKK erfreue sich in Europa nach wie vor vieler Sympathien. Die EU stuft die PKK ebenso wie die Türkei und die USA als Terrororganisation ein. (ho/AFP)