TURNERS Thesen : Klare Aufgaben für Hochschulräte

Warum gibt es Missverständnisse zwischen Topmanagern und Universitäten? Der Hauptgrund liegt in den unterschiedlichen Arbeitsweisen und den Zielen von Hochschulen einerseits und Wirtschaftsunternehmen andererseits. Damit sind nicht nur Gremienstruktur und Organisation gemeint. Forschung und Lehre, und diejenigen, die beides verkörpern, sind auch keine besondere Spezies, die unter Artenschutz gehört.

Das Ziel wissenschaftlicher Arbeit ist nicht Gewinnmaximierung, sondern bestmögliche Leistungen in Forschung und Lehre zu erreichen, unter optimalem Einsatz der finanziellen Mittel. Die Forderung, Hochschulen sollten wie Unternehmen geführt werden, stößt schnell an die Erkenntnis, dass die Umsetzung eins zu eins nicht funktioniert.

Die Eigenarten des Wissenschaftsbetriebs können sich besonders bei der Arbeit der Hochschulräte bemerkbar machen. Soweit die Mitglieder aus Wirtschaftsunternehmen kommen, verstehen sie die Räte als ein Pendant zu Aufsichtsräten aus den ihnen vertrauten Bereichen. Sie unterscheiden sich aber vor allem hinsichtlich der Personen, die sie zu „beaufsichtigen“ haben, von denjenigen, mit denen Manager aus der Wirtschaft sonst umgehen.

Auf Fehleinschätzungen des Selbstverständnisses und Verhaltens universitärer Gremien beruht es, wenn von den Hochschulräten vorgeschlagene Präsidenten von den ebenfalls am Wahlverfahren beteiligten Senaten abgelehnt werden. Der Fehler liegt dabei nicht bei den Räten, sondern ist in der Gesetzeskonstruktion begründet. Präsidenten sind nun einmal die Repräsentanten der Hochschulen. Gremien solcher Einrichtungen, wie den Senat, zu einem Abnickverein zu degradieren, verkennt Historie und Gegebenheiten des deutschen Universitätssystems.

Hier gibt es nur ein Entweder-Oder: Entweder entscheidet das zuständige Gremium der Universität, wer die Hochschule leiten soll. Dann sollte der Hochschulrat allenfalls beratend tätig werden. Das entspräche eher der deutschen Universitätstradition und dem Selbstverständnis der Hochschulen. Oder der Hochschulrat entscheidet und die Hochschule hat kein Mitwirkungsrecht. Auf diese Weise, so die Erwartung, könne man eher Managertypen für die Leitung gewinnen. Jede Misch-Konstruktion führt zu Konflikten, Frustrationen und der Beschädigung von Kandidaten.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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