TURNERS Thesen : Transferlisten auch für Professoren

Sachsen-Anhalt und Niedersachsen wollen „Ablösesummen“ fordern, wenn sich Hochschullehrer vorzeitig von anderen Universitäten abwerben lassen. So sollen teure Investitionen vor allem in den Technik- und Naturwissenschaften vermieden oder zumindest ausgeglichen werden. Das Dilemma liegt darin, dass eine Vereinbarung der Minister in Vergessenheit geraten ist, wonach eine neue Berufung innerhalb einer Sperrfrist von drei Jahren nach der Annahme eines Rufs nicht erteilt werden soll. Der Wettbewerb um begehrte Wissenschaftler hat diese Abrede schnell durchlöchert.

Ein anderer Aspekt ist das Besoldungssystem. Professoren können ihr Gehalt nur aufbessern, wenn sie Berufungs- oder Bleibeverhandlungen führen. Die Folge sind Bewerbungen um freie Stellen, auch wenn der Wechsel gar nicht ernsthaft in Erwägung gezogen wird. Ist der Ruf erteilt, wird in zwei Richtungen verhandelt: mit der die Berufung aussprechenden Universität beziehungsweise dem zuständigen Ministerium und mit der eigenen. Das kommt ziemlich teuer, weil so auch nicht ernst gemeinte Bewerbungen honoriert werden. Hinzu kommt, dass die Fakultät, der ein Verlust durch den Weggang droht, versuchen wird, ihre Hochschulleitung zu einem Bleibeangebot zu veranlassen. Dabei kommt es dann schon vor, dass eine durchschnittliche Fachkraft zum Juwel hochgejubelt wird, auf das man unter keinen Umständen verzichten kann. Ebenso ist es nicht unüblich, dass gleichzeitig hinter vorgehaltener Hand eingespeist wird, der Wechsel käme gar nicht so ungelegen, wobei meist persönliche Unverträglichkeiten ausschlaggebend sind.

Wenn man schon aus dem Fußball etwas übernimmt, dann doch bitte in Gänze. Dazu gehört die Einrichtung von Transferlisten, auf die Kandidaten gesetzt werden, mit denen man nicht mehr plant, die also abgegeben werden können. Eine solche Möglichkeit würde auch disziplinierend wirken. Manch eine mehr oder weniger anerkannte Größe des Fachs würde sich überlegen, der eigenen Hochschule durch überzogene Darstellungen von angeblichen Missständen Schaden zuzufügen.

Und als Krönung der Anleihen: Eliteuniversitäten sollten für die Vermittlung von Weltklassespielern – Pardon: Wissenschaftlern – auch ein angemessenes Kopfgeld zahlen.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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