TV-Duell der Brandenburger Spitzenkandidaten : „Bei aller Liebe ...“

Unentschieden: In der mit Spannung erwartete „Elefantenrunde“ der Spitzenkandidaten der großen Parteien für die Brandenburg-Wahl fechten Matthias Platzeck (SPD) und Johanna Wanka (CDU) gegen Kerstin Kaiser (Die Linke).

Thorsten Metzner

PotsdamKerstin Kaiser kämpft, sie gibt nicht auf. Die Linke-Spitzenkandidatin wirbt in ihrem Schlussplädoyer noch einmal eindringlich für Rot-Rot. „Wenn die SPD ihre Wahlversprechen einlösen will, Mindestlohn, soziale Gerechtigkeit, Bildung, die nicht vom Geldbeutel abhängt, mit den Linken ist das möglich“, sagt Kaiser. Da lächeln Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) und CDU-Spitzenkandidatin Johanna Wanka in die Kamera, als hätten sie vor der Sendung die Fortsetzung der Großen Koalition schon besiegelt.

Das war sie auch schon, die mit Spannung erwartete einstündige „Elefantenrunde“ der Spitzenkandidaten der großen Parteien für die Brandenburg-Wahl, die am Abend im RRB-Fernsehen übertragen wurde. Eine Premiere, das einzige direkte Zusammentreffen der drei Spitzen überhaupt. Ein „Triell“? Nun ja, es wurde eher ein Duell zwischen Linke-Oppositionsführerin Kaiser und dem SPD-Regierungschef, dem seine CDU-Stellvertreterin Johanna Wanka darin sekundierte, die Erfolge der Großen Koalition zu loben.

Spannung blitzte, typisch für den Wahlkampf der letzten Wochen, nicht auf. Dafür ließ Platzeck keinen Millimeter Raum, die Deutungshoheit für den Zustand des Landes für sich zu reklamieren. Bei jedem Halbsatz Kaisers zu Defiziten und Problemen im Land ging er sofort dazwischen, warnte vor „Schwarzmalerei“. Als er die Konzentration der Fördermittel mit den knappen Kassen verteidigt, setzt Platzeck einen Punkt: „Die Alternative wäre ein Banküberfall gewesen.“ Und trotzdem ließ sich Kaiser nicht beirren, legte nach – verwies auf 10 Jahre Große Koalition, die sich etwa längst um mehr Lehrer hätte kümmern können. „Brandenburg ist kein familienfreundliches Land“. Platzeck: „Aber Frau Kaiser, bei aller Liebe ...“ 

Geschont wurden alle von den beiden RBB-Interviewern, von Programmdirektorin Claudia Nothelle und Chefredakteur Christoph Singelnstein: Es gab keine kritische Fragen an Platzeck, keine an Kaiser zu ihrem IM-Fleck, keine an Wanka zum Zustand und den Personalplänen der Union. Das Fazit? Ein unangefochtener Regierungschef, den alle umwerben, kann auch im TV-Duell nicht geschlagen werden. Kaiser, unverkrampft, präzise und selbstsicher wie lange nicht, punktete. Wanka, die ihre CDU nicht einmal erwähnte, kam sympathisch, staatstragend rüber. Wer gewonnen hat, entscheidet am Sonntag dann sowieso der Wähler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar