Der Tagesspiegel : TV-Rollen für Kinder und Jugendliche: Nach der Schule geht Anina ins "Schloss Einstein"

Simone Leinkauf

Welches Kind hat nicht schon mal davon geträumt: Im Rampenlicht zu stehen und eine Rolle zu spielen, die so ganz andere Möglichkeiten bietet, als das tägliche Leben. Und dann auf dem Bildschirm als heldenhafter Abenteurer, romantische Prinzessin oder auch als ausgeflippter Jugendlicher zu erscheinen, im Klassenzimmer Autogrammkarten zu schreiben und auf der Straße von Bewunderern angesprochen zu werden. Für die elfjährige Babelsbergerin Anina Abt-Stein ist zumindest ein Teil davon Wirklichkeit geworden: Nachdem sie mit sieben Jahren ihr erstes Casting hinter sich brachte und in einem Film spielte, für den sie fließend englisch und deutsch sprechen musste, steht sie regelmäßig vor der Kamera.

Heute ist sie als Louisa Ellwang in der ARD-Jugendserie "Schloss Einstein" (Kinderkanal, 15 Uhr 35) zu sehen. Zwei bis drei Mal pro Woche ist Anina für drei Stunden am Set, macht in den Pausen Hausaufgaben oder unterhält sich mit den Schauspielerkollegen. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für anderes: Hobbys, Freunde oder Familie müssen irgendwie um den Drehplan herum organisiert werden. Daneben synchronisiert Anina noch hin und wieder und erzählt von Dreharbeiten in England und Afrika: "Das ist schon toll, wenn man auf diese Weise andere Länder kennen lernt." Bevor es so weit war, mussten einige Hürden überwunden werden: Am Anfang jeder Rolle steht ein so genanntes Casting, bei dem in der ersten Runde in der Regel etwa 20 bis 30 Kinder miteinander konkurrieren. Vorgeschlagen werden diese den Produzenten meist von einer Casting-Agentur wie der Potsdamer Agentur "Gesichter". Deren Inhaberin Karin Müller-Grunewald "entdeckte" Anina vor knapp fünf Jahren. Heute ist Anina eine von einigen Hundert Kindern, die Karin Müller-Grunewald in ihrer Vermittlungsdatei hat. "Ich nehme aber nicht jedes Kind auf, das Interesse hat", so Frau Müller-Grunewald. Ein paar Dinge müssen schon erfüllt sein, wobei es nicht nur auf das Aussehen ankommt - schließlich werden für Filme die unterschiedlichsten Typen gesucht. Eine klare Aussprache, Mut, Fantasie und Ausdauer sind aber unabdingbare Voraussetzungen. Und je mehr Interessen und Begabungen einer hat, desto größer ist die Chance, dass er oder sie auch tatsächlich eine Rolle bekommt: Klar, dass ein Mädchen, das Reiten und Klavier spielen kann und dann auch noch eine Ballettschule besucht, für mehr Rollen in Frage kommt, als eines, das in seiner nur vor dem Fernsehapparat hängt.

Suchen Film- oder Fernsehproduzenten kindliche Darsteller, dann schickt Frau Müller-Grunewald eine Auswahl aus ihrer Datei oder geht zu Veranstaltungen, an denen Jugendliche teilnehmen und sieht sich nach einem passenden Gesicht um. Der ersten Casting-Runde folgen weitere, wobei sich die Anzahl der Kinder verringert und die Anforderungen steigen, bis die Idealbesetzung übrig bleibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben