TV-Spots : Barack Obama sendet auf allen Kanälen

Im Endspurt vor der Wahl am Dienstag ist die Materialschlacht in vollem Gange, ihr Schlachtfeld ist der Bildschirm: Weil Obamas Einnahmen alle Rekorde brechen, kann er sich einen Auftritt zur besten Sendezeit im amerikanischen TV leisten - auf allen Kanälen.

Peter Wütherich[AFP]
Obama im TV
Barack Obama in "hollywoodesker" Manier. -Foto: AFP

WashingtonDie Fernbedienung bot kein Entkommen, der Kandidat flimmerte zeitgleich auf mehreren Kanälen vom Bildschirm. Zur besten Sendezeit am Mittwochabend präsentierte sich der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama eine halbe Stunde lang den Wählern. In Hollywood-Manier inszenierte sich der Kandidat als Landesvater: Obama im Gespräch mit den Bürgern, Sternenbanner im Hintergrund, Bilder von goldenen Weizenfeldern, das alles unterlegt mit zarten Streicherklängen - es war eine emotionale, technisch perfekte Inszenierung. Bis zu fünf Millionen Dollar dürfte die Ausstrahlung des Dauer-Werbespots gekostet haben, mit dem Obama seine finanzielle Überlegenheit im Kampf ums Weiße Haus demonstrierte.
  
Im Endspurt vor der Wahl am Dienstag ist die Materialschlacht in vollem Gange, ihr Schlachtfeld ist der Bildschirm. Allein in den vergangenen drei Wochen ließ Obama USA-weit 140.000 TV-Spots auf die Zuschauer niederprasseln. Aneinandergereiht würden die Filmchen 53 Tage dauern, errechnete die "New York Times". Sein republikanischer Gegner John McCain kommt nicht mal auf die Hälfte, er kann finanziell nicht mithalten. Denn Barack Obama ist der König Midas des US-Wahlkampfs: Was er anfasst, wird zu Geld. Mehr als 780 Millionen Dollar an Spenden hat Obama von seinen Anhängern gesammelt, nie hatte ein Kandidat mehr Geld zur Verfügung. McCain kommt nur auf 340 Millionen. Der Unterschied ist so groß, dass sich die Frage der politischen Fairness stellt.

"Harry Potter" mit den Kindern

  
McCain blieb nicht viel anderes übrig, als sich über Obamas "watteweichen Wohlfühl-Film" lustig zu machen. Obama nutzte den teuren Streifen, um die Kritik der Republikaner an ihm zu entkräften und zweifelnde Wähler mit seiner Lebensgeschichte vertraut zu machen. Diese erfuhren, dass Obama mit seinen Töchtern "Harry Potter" gelesen hat und sie jeden Abend anruft. In emotionalen Passagen berichtete er vom frühen Krebstod seiner Mutter. Die Geschichten sollen jene widerlegen, die Obamas Verwurzelung in uramerikanischen Werten anzweifeln. Seine Botschaft richtete sich an die wirtschaftlich bedrängte Mittelschicht, viele einfache Leute kamen in dem Film zu Wort und berichteten von ihren Sorgen.
  
Die betont patriotische Präsentation steht im Widerspruch zu den jüngsten Attacken von McCain, der Obama als linken Experimentierer mit sozialistischen Neigungen hinstellt. Das Gute für Obama: McCain kann nicht mit gleicher Waffe zurückschlagen. Sein Wahlkampfetat beträgt weniger als die Hälfte des Budgets von Obama. "Barack Obama hat ein Geldproblem: Es könnte nicht mehr genug Werbezeit im Fernsehen erhältlich sein, um all sein Geld auszugeben", schrieb Wahlkampfbeobachter Roger Simon im Internetmagazin "Politico".

150 Millionen Dollar - allein im September
  
Die Republikaner wittern Wettbewerbsverzerrung. "Barack Obama ist auf dem Weg, sich die Präsidentschaft zu kaufen", kritisiert der Publizist Richard Baehr vom konservativen "American Thinker": "Das ist kein fairer Kampf." McCain hat das Problem, dass er staatliche Wahlkampffinanzierung annehmen musste - und damit bei den Ausgaben bestimmten Obergrenzen unterliegt, nämlich 84 Millionen Dollar in den letzten beide Monaten vor der Wahl. Obama hat die staatlichen Beihilfen ausgeschlagen und finanziert sich nur durch freiwillige Zuwendungen seiner Anhänger. Er kann soviel ausgeben, wie er einnimmt. Und seine Einnahmen brechen alle Rekorde, allein im September waren es 150 Millionen Dollar.
  
Zuletzt hatte der Milliardär Ross Perot ähnliche Dauerspots schalten lassen, als er im Jahr 1992 als unabhängiger Kandidat fürs Weiße Haus antrat. Damals gaben alle Kandidaten zusammengerechnet 192 Millionen Dollar im Präsidentschaftswahlkampf aus. Bei der letzten Wahl 2004 waren es bereits 717 Millionen Dollar, diesmal werden die Kandidaten nach einer Schätzung des unabhängigen Washingtoner Center for Responsive Policies mehr als 1,3 Milliarden Dollar ausgeben. "Diese Wahl wird alle historischen Rekorde sprengen", prophezeit Institutsdirektorin Sheila Krumholz.