TV-Tipp : Arte-Themenabend: Gibt es die Liebe fürs Leben?

"Ja, ich will" - oder lieber doch nicht? Vor dieser Frage stehen Karin Slater und Steven Bartlo, Filmemacher und schon seit längerem ein Paar. Um herauszufinden, wie Mann und Frau es schaffen können, ein Leben lang gemeinsam glücklich zu sein, machen sie sich auf eine Reise um die Welt ­– und fragen bei denen nach, die es wissen müssen: Vier Pärchen, alle seit über 50 Jahren zusammen, erzählen ihre Geschichte. Erst nach dieser Expedition wollen die beiden entscheiden, ob auch sie sich das Ja-Wort geben. Der Dokumentarfilm "50 Jahre Liebe!" (Sonntag, 22:25 Uhr) ist Teil des Arte-Themenabends "Die Liebe fürs Leben", der um 20:45 Uhr mit dem Spielfilm "Harry und Sally" beginnt.

Ulrike Pape

Die Reise führt Karin und Steven, er Produzent, sie Tierfilmerin, zunächst zu Helen und John in den USA. Die bezeichnen sich beide als stur. Trotzdem sind sie schon seit 60 Jahren zusammen, meist glücklich, sagen sie. "Es war nicht immer einfach, vor allem am Anfang war es oft knapp", findet John, "aber es funktioniert – mit viel Verständnis füreinander". Daran arbeite er heute noch: "Ich versuche noch immer herauszufinden, wie Frauen ticken." Wichtig sei, dass niemand versuche, das Sagen zu haben oder den anderen zu verändern. Nicht zuletzt die gemeinsamen Kinder haben sie zusammengehalten.

Joep und Mia aus den Niederlanden gingen vor 51 Jahren jungfräulich in die Ehe, nicht nur was das Körperliche angeht: "Wir waren zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die auf einmal zusammen leben mussten", erinnert sich Mia. Sie haben daran gearbeitet. Joep: "Es ist ein tägliches Geben und Nehmen, das man erst mal lernen muss."

"Ein starker Mann": mit 84 Jahren 14 Frauen und 94 Kinder

Nqomondo aus Südafrika hat 14 Frauen, Kkekhekhe ist eine davon. Mit ihr ist der 84-Jährige erst 29 Jahre liiert, aber dafür ist er insgesamt 365 Jahre mit seinen anderen Frauen zusammen, noch dazu Vater von 94 Kindern. "Ein starker, starker, starker Mann", findet Khekhekhe. "Wenn er bei mir ist, schlafen wir zehn Mal die Nacht miteinander", erzählt sie stolz. Dass er am nächsten Tag zur nächsten Gattin weiterzieht, macht ihr nichts aus.

Andere Frauen sind für Ramesch aus Indien kein Thema: "Wenn du Freundinnen haben willst, dann wirst du Freundinnnen haben. Es ist alles vorherbestimmt." Mit ihm hat es das Schicksal aber offensichtlich gut gemeint – an der Seite von Sharda, die seine Eltern vor 68 Jahren für ihn ausgesucht haben. Die Ängste des Filmemachers Steven, in der Ehe seine Freiheit zu verlieren, können die beiden Inder nicht nachvollziehen. Es sei doch eine uralte Geschichte, dass einer Phase intensiver körperlicher Liebe eine Phase mit weniger Trieb folge, aber mit mehr Hinwendung zu Gott – und man bleibt trotzdem zusammen. Sie lächeln – und eröffnen uns noch eine Weisheit: "Hast du dich ein Mal scheiden lassen, wirst du es wieder tun."

Unabhängig davon, wie sich die beiden Filmemacher am Ende entscheiden, die Doku zeigt uns: Eine Formel für die Liebe gibt es nicht, es gibt ganz viele. Die vier Paare führen uns vor, wie unterschiedlich eine Partnerschaft funktionieren kann, je nach Kulturkreis und natürlich Persönlichkeit. Auf ihre Art und Weise wirken sie alle glücklich und vor allem gelassen. Das mag nicht nur an ihrem fortgeschrittenen Alter liegen, es ist vielmehr die Überzeugung, dass sie sich vor über 50 Jahren richtig entschieden haben.

Fazit: Am Ende sind wir ernüchtert – aber auch nachdenklich. Der Titel des Arte-Themenabends "Die Liebe fürs Leben" klingt spektakulärer als es in Wirklichkeit ist. Gleiches gilt für die Dokumentation "50 Jahre Liebe!". Genau dies ist aber die Botschaft: Die Liebe FÜRS LEBEN – fern entrückter Idealvorstellungen – heißt in der Realität, den Alltag meistern, Krisen durchstehen, sich streiten und sich versöhnen, fallen und wieder aufstehen – gemeinsam durchs Leben eben. So spricht die Doku Romantiker gleichermaßen an wie Skeptiker.