Der Tagesspiegel : Typen in Stereo

In Potsdam gibt es bis Juni eine Ausstellung zum Thema „Feindbild“

Volker Eckert

Potsdam. Ursula Wagener hat die Ausstellungsräume in der Brandenburger Landeszentrale für politische Bildung in Potsdam mit ihren Figuren zugestellt. Grazile, drahtige Wesen sind das, lebensgroß und auf den ersten Blick alle gleichförmig. Sie unterscheiden sich nur in dem jeweils einen Attribut, das ihnen wie ein Preisschild angehängt ist: der Penner, der Islam-Halbmond, der Wessi, der Ossi, der Davidstern und andere. Die Einordnung in die Gruppe nimmt den Figuren ihr Gesicht, ihre Individualität.

In den letzten Wochen vor der Ausstellung „Feindbild“ wurde Ursula Wagener oft gefragt: Wieso machst du nicht noch „den Ami“ dazu? „Um Gottes Willen!“, sagt die Künstlerin dann. Sie wolle doch keine politische Agitation machen. Das Letzte, was Ursula Wagener will, ist ihre Kunst von der aktuellen Politik vereinnahmen zu lassen.

Schon vor gut zehn Jahren sind die ersten dieser Plastiken entstanden, in Gemeinschaftsarbeit des Künstlerehepaares Wagener und Wagener. Neu hinzugekommen sind auf Anregung der Landeszentrale für politische Bildung die zwei Figuren Ossi und Wessi. Thomas Wagener ist vor gut einem Jahr gestorben, seine Frau führt die Arbeit jetzt allein weiter. Aber wenn sie darüber spricht, sagt sie heute noch manchmal „wir“.

Bei der Vernissage am Mittwoch wies der Bürgerrechtler und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, Wolfgang Ullmann, auf die Bedeutung der Einzahl im Titel der Ausstellung hin. Es gehe eben nicht um unterschiedliche Feindbilder, sondern um die immer gleiche Denkstruktur.

So sieht das auch Ursula Wagener. Von Assoziationen an Ausländerfeindlichkeit, die in Brandenburg nicht fern liegen, will die in Berlin lebende Künstlerin nichts wissen. Sie hat bewusst das Attribut „fremd“ gewählt statt die Bezeichnung Ausländer. Denn alles Fremde mache den Menschen Angst.

So macht Ursula Wagener auch keinen Unterschied zwischen Kampagnen gegen rechts oder gegen den Islam. Nach so etwas scheine es ein ständiges Bedürfnis zu geben. Das basiere alles auf platten Stereotypen. Deswegen taucht wohl auch der Nazi in der Reihe auf. „Rechts, was ist das denn überhaupt?“, fragt Wagener.

Die Ausstellung „Feindbild“ ist noch bis zum 13. Juni in Potsdam, Heinrich-Mann-Allee 107, Haus 17, zu sehen. Mo, Di, Mi 9-18 Uhr, Do, Fr 9-15 Uhr.

www.politische-bildung-brandenburg.de

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