Der Tagesspiegel : "Typisch" Brandenburg: Eher kurz gewachsen und dafür etwas breiter gebaut

Bernd Matthies

Über die Langen Kerls alter preußischer Tradition wissen wir, dass sie eher Ergebnis besonderer Auslese als wirklich landestypisch waren. Denn der Märker ragt bekanntlich nicht gern weit über die Furche heraus, sondern verschmilzt eher mit der lieblichen Landschaft, die ihn hervorgebracht hat. Doch das sind Ahnungen, und es ist dem Mikrozensus von 1999 zu verdanken, dass wir endlich Genaues wissen: Der Brandenburger ist 1,76 m groß und wiegt 81 Kilo, die Brandenburgerin bringt es auf 1,64 m bei durchschnittlich 67 Kilo. Etwas moppelig, die beiden, nicht wahr? Noch breiter um die Hüfte sind die stark Übergewichtigen: 14,3 Prozent der Brandenburger gehören in diese Gruppe, wie überhaupt die dicken Deutschen in ihrer Mehrzahl im Osten zu finden sind: 15 Prozent in Meck-Pomm und Thüringen, 14,5 in Sachsen-Anhalt, 13,1 Prozent in Sachsen.

Ist das nun Kummerspeck? Hat der Märker aus Gram über das Ausbleiben der blühenden Landschaften Zuflucht in Bier und Bratwurst gesucht und dabei die Thüringer gefunden, sitzend in einem Berg von Klößen mit Butterbröseln? Oder ist es umgekehrt eher so, dass der typische West-Bürger von der Karrierewut so umgetrieben ist, dass einfach kein Zeichen der Gemütlichkeit an seinen Hüften verharren mag?

Der Mikrozensus gibt in seiner statistischen Unerbittlichkeit über Motive keine Auskunft. Aber er weiß, dass die jungen Brandenburger an ihren Aufgaben wachsen: Die 18- bis 30-Jährigen sind schon etwa drei Zentimeter größer. Wenn sie jetzt noch das Gewicht ihrer Väter halten können - dann wäre wieder ein Stück innerdeutsche Normalität geschafft.

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