U 55 : Kanzler-Bahn wird immer teurer

Die Baufirma Hochtief verlangt neben der vereinbarten Summe von 28 Millionen Euro noch weitere 22,5 Millionen für die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor. Die BVG will die Mehrkosten für U 55 nicht zahlen.

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Seit vier Jahren bereitet die Baustelle am künftigen U-Bahnhof Brandenburger Tor den Bauleuten Kopfzerbrechen. Demnächst werden wohl auch die Juristen viel zu tun haben: Die Baufirma Hochtief fordert von der BVG zur ursprünglich vereinbarten Summe von 28 Millionen Euro weitere 22,5 Millionen Euro für unvorhergesehene Aufwendungen. BVG-Technikvorstand Thomas Necker reagiert darauf „ganz entspannt“. Nachforderungen seien bei solchen Bauten üblich, die BVG werde sie aber nicht erfüllen – weil sie ungerechtfertigt seien.

Hochtief hatte sich den Auftrag vor vier Jahren mit einem vereinbarten Festpreis von 28 Millionen Euro geangelt. 24 Millionen Euro davon zahlt der Bund aus dem Hauptstadtfonds für den Bau der U 5. Hochtief habe beim Bau des U-Bahnhofs „Fehler über Fehler“ gemacht, sagt Necker. Dass Wasser und Sand in die Baugrube eingedrungen ist, sei durch undichte Betonabdichtungen verursacht worden. Dadurch hat sich die Bauzeit um mehrere Jahre verlängert. Dieses unternehmerische Risiko habe Hochtief mit dem Festpreis übernommen. Zudem mache der Konzern zum Beispiel auch abgebrochene Bohrer bei den Nachforderungen geltend, was die BVG auf keinen Fall akzeptiere.

Auch der Bund sei nicht bereit, auf die zusätzlichen Forderungen des Baukonzerns einzugehen, sagt der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bundestag, Otto Fricke (FDP).

Einigt man sich nicht, geht die Sache vor Gericht. Und solche Verfahren können sich in die Länge ziehen. So sind bis heute unter anderem Klagen nach dem Bau der für Olympia 2000 gebauten Max-Schmeling-Halle und der Schwimmhalle sowie des Velodroms an der Landsberger Allee nicht abgeschlossen. Deshalb existiert sogar die damals für den Bau gegründete Olympia Sportstättenbau GmbH bis heute weiter. Sie kümmert sich um die noch ausstehenden Prozesse.

Einige Nachforderungen lässt die BVG jedoch gelten. So gab es nach Neckers Angaben unter anderem Verzögerungen, weil Pflastersteine für den Pariser Platz nicht rechtzeitig auf der Baustelle eingetroffen seien. Sie lagerten auf BVG-Gelände, das während des Streiks vor Ostern nicht zugänglich war.

Immerhin soll der mehrfach verschobene Eröffnungstermin für die U 55 zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof mit der Zwischenstation Bundestag gehalten werden. Nach Neckers Angaben ist er für das erste Quartal 2009 geplant, auf jeden Fall aber soll er vor dem Beginn der Leichtathletik-WM im August liegen. Klaus Kurpjuweit

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