Uckermark : CDU und Linke wollen weiteres Schulsterben verhindern

Die Schülerzahlen in den ländlichen Regionen Brandenburgs fallen immer weiter ab. Folge sind Schließungen der Dorf- und weiterführenden Schulen und Fahrtzeiten von bis zu zwei Stunden. Um das zu verhindern müssen die Schülerzahlen gesenkt werden.

PrenzlauHenryk Wichmann ist sich sicher: Wenn das Brandenburger Bildungsministerium nicht schnell das Ruder herumreißt, droht den ländlichen Regionen ein weiteres Schulsterben. "Bereits jetzt gibt es in einigen Landkreisen außerhalb der Städte kaum noch weiterführende Schulen ab Klasse 7. Den Schülern werden schon Entfernungen von mehr als 50 Kilometern und Fahrzeiten von bis zu zwei Stunden zugemutet", sagt der uckermärkische CDU-Kreistagspolitiker. Das sei nicht länger hinnehmbar.

Von 30 auf 22 Schüler pro Klasse

Deshalb wendet sich die Uckermark-CDU mit einem Forderungskatalog in Sachen Schulpolitik an die rot-schwarze Landesregierung. Gefordert wird die sofortige Senkung der Mindestschülerzahlen von 30 auf 22 für den Erhalt weiterführender Schulen. Zudem sei eine klare Festlegung von Zumutbarkeitskriterien für den Schulweg erforderlich, wie sie andere Bundesländern längst haben. "Und wir fordern einen Staatsvertrag mit Mecklenburg-Vorpommern, um die grenzüberschreitenden Schulbesuche zu regeln", sagt Wichmann. Es könne nicht sein, dass auf dem Sektor der Bildungspolitik nach wie vor Kleinstaaterei herrsche.

Mit ihren Forderungen nehmen die uckermärkischen Christdemokraten sogar eine Störung des Koalitionsfriedens in Potsdam in Kauf -schließlich steht die mitregierende CDU auch für die Bildungspolitik des Landes ein. "Das ist uns egal. Uns geht es in erster Linie um die Kinder und ihre Schulbildung", sagt Wichmann.

In der Uckermark stehen momentan zwei Oberschulen vor dem Aus. In Gartz und Lychen reichen die Schülerzahlen mittelfristig nicht mehr aus, um nach den bis jetzt geltenden Rahmenbedingungen weiterhin einen Unterricht zu ermöglichen. Dann würde es nur noch weiterführende Schulen in Prenzlau, Templin, Angermünde und Schwedt geben. Dorfschulen wären in der Region Geschichte.
 
Künftig ein Zwei-Stunden-Schulweg

Für die Schüler aus dem Nordosten der Uckermark würde das bedeuten, täglich für eine Fahrt nach Schwedt bis zu zwei Stunden im Bus zu sitzen. "Sollte das Land für solche gefährdeten Standorte die Mindestschülerzahlen senken, bräuchten sie nicht geschlossen zu werden", sagt Wichmann.

Das Argument, dass in solchen Kleinstschulen nicht genügend Lehrer vorhanden sind, um die ganze Breite des Fachunterrichts abzudecken, lässt er nicht gelten. "Dann müssen die Lehrer eben zwischen verschiedenen Schulen pendeln, wenn die Stundenzahl an einer Schule für sie nicht reicht. So etwas lässt sich doch regeln", ist sich der CDU-Politiker sicher.

Unterstützung durch die Linkspartei

Mit ihren Forderungen finden die uckermärkischen Christdemokraten Unterstützung durch eine Partei, mit der sie sonst nicht viel zu tun haben wollen. Die Linkspartei hat angekündigt, einen Antrag in den Landtag einzubringen, in dem die Absenkung der Mindestschülerzahlen für die Einrichtung der Jahrgangsstufe 11 bereits zum nächsten Schuljahr gefordert wird. "Ich möchte den CDU-Politikern aus der Uckermark ans Herz legen, ihre Forderungen der CDU-Landtagsfraktion nahe zu bringen", sagt Linke-Politikerin Irene Wolff-Molorciuc. Sie hoffe, dass ihr Antrag nicht wieder durch die Fraktionen der Regierungskoalitionen abgelehnt werde.

Das Bildungsministerium verweist unterdessen darauf, dass bereits viel für den Erhalt von Schulstandorten getan worden sei. So seien kleinere Klassenfrequenzen und jahrgangsübergreifende Angebote an Grundschulen zugelassen worden, sagt Sprecher Stephan Breiding. Der Geburtenknick vom Beginn der 90er Jahre erreiche im Jahr 2009 die Sekundarstufe II. Dann werde die Mindestschülerzahl zur Einrichtung elfter Klassen von 50 auf 40 reduziert.

Staatsverträge mit anderen Ländern sind nach Angaben von Breiding nicht ohne weiteres möglich. Dazu wären gemeinsame Schulentwicklungsplanungen nötig. Allerdings seien in Einzelfällen auch ohne Staatsvertrag grenzüberschreitende Schulbesuche möglich. (mit ddp)

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