Uckermark-Wahl : Die Stunde der Parteilosen

Erst Oberspreewald-Lausitz, jetzt Uckermark: Parteilose sind bei Landratswahlen in Brandenburg im Kommen.

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Potsdam - In Brandenburg diskutieren die Parteien über Konsequenzen aus der Uckermark-Wahl, nachdem es dort mit dem Kreistagspräsidenten Roland Resch und dem Amtsinhaber Klemens Schmitz zwei Parteilose in die Stichwahl um den Landratsposten geschafft haben. Schon in Oberspreewald-Lausitz war mit Sigurd Heinze ein Parteiloser zum ersten direkt gewählten Brandenburger Landrat gekürt worden.

„Es ist ein allgemeiner Trend. Parteilose sind im Kommen. Unzufriedenheit sucht sich gern ein parteiloses Symbol“, glaubt Linke-Landeschef Thomas Nord. Ein Grund sei, dass die Parteien Schwierigkeiten haben, eigenes Personal aufzustellen, wobei er die eigene einschließt. So hatte in der Uckermark die Linkspartei mangels eines eigenen Bewerbers entschieden, den früheren grünen Bildungsminister und Kreistagschef Roland Resch zu unterstützen, der den Naturpark Uckermärkische Seen leitet. Dass Resch den Sprung ins Finale schaffte, werten nun die Linken auch als eigenen Erfolg – wie die Grünen.

„Jeder weiß doch, dass Resch für die Grünen im Kreistag sitzt“, sagt Axel Vogel, Chef ihrer Landtagsfraktion. „Es ist bezeichnend, dass die beiden Kandidaten gewonnen haben, die kein einziges Plakat aufgehängt haben, anders als SPD und CDU.“ Entscheidend sei, dass die Uckermärker mit 17 000 Unterschriften die Direktwahl erst erkämpft hatten, nachdem SPD, CDU und andere zunächst im Kreistag SPD-Fraktionschef Frank Bretsch indirekt zum Landrat wählen wollten.

 Der Schulleiter aus Angermünde, den SPD-Landeschef Matthias Platzeck im Wahlkampf massiv unterstützt hatte, ist nun aus dem Rennen. Tatsächlich ist insbesondere für die SPD, die noch vor einigen Jahren alle 14 Landräte stellte, die bisherige Bilanz der Direktwahlen ein Fiasko. Sie sei der „klare Wahlverlierer“, erklärte prompt CDU-Generalsekretär Dieter Dombrowski. In sechs Wahlen konnten die erfolgsverwöhnten Genossen bisher keinen Landrat durchsetzen. Der Uckermärker Amtsinhaber Klemens Schmitz, jetzt in die Stichwahl, war vor einigen Jahren frustriert aus der SPD ausgetreten. In den Kreisen Ostprignitz-Ruppin, Barnim und Spree- Neiße lagen die SPD-Bewerber vorn, verfehlten aber das Quorum. Dort werden die Landräte jetzt in den Kreistagen – Ergebnis von in Hinterzimmern geschmiedeten Koalitionen – gekürt. SPD-Generalsekretär Klaus Ness gibt unumwunden zu: „Die Bilanz ist für die SPD insgesamt enttäuschend.“ Thorsten Metzner

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