Der Tagesspiegel : Über die Brücke

Frankfurt/Oder macht sich auf den Weg nach Osten

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Die erst vor kurzem gerettete Oderlandbrauerei in Frankfurt rührt demnächst bei polnischen Gastronomen die Werbetrommeln. Nur ein Beispiel, wie man sich hier auf die EUOsterweiterung vorbereitet. „Früher saß man wie das Kaninchen vor der Schlange“, sagt Oberbürgermeister Martin Patzelt – und spricht von einem „Mentalitätswechsel.“ Das mag auch daran liegen, dass Frankfurt schon jetzt eng mit dem benachbarten Slubice zusammenarbeitet. So plant Slubice eine Wendeschleife für die einmal aus Frankfurt kommende Straßenbahn. Es gibt gemeinsame Veranstaltungskalender, ein gemeinsames Stadtfernsehen ist geplant. An der Europa-Universität Viadrina studieren 1700 polnische Studenten. Und Patzelt ist sich mit seinem polnischen Amtskollegen einig: „Jede Wirtschaftsansiedlung, ob hüben oder drüben, ist von Vorteil für beide.“ Allerdings gibt es Hürden: So will Patzelt nicht einsehen, dass in seiner Stadt tausende Plattenbauten abgerissen werden, während in Slubice 800 Wohnungen fehlen. Bislang scheiterte sein spektakulärer Versuch, polnische Mieter nach Frankfurt zu holen – am Lohn- und Preisgefälle. Dennoch ist für Patzelt klar: Mittelfristig werden Polen und Deutsche auf beiden Seiten der Stadtbrücke leben und arbeiten: „Wenn Frankfurt sich nicht auf diesen Weg macht, könnte die Stadt in Bedeutungslosigkeit verfallen.“ thm

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