Der Tagesspiegel : Über Geld redet man – mit Blick auf den Schwielowsee

Abgeschieden und auch von der Wasserschutzpolizei gesichert, tagen heute und morgen die G-8-Finanzminister in einem Luxushotel in Petzow

Peter Tiede

Petzow - Es wird ein kleiner Gipfel vorneweg: Von heute bis zum morgigen Sonnabend bereiten die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) in dem kleinen Dorf Petzow bei Potsdam das Gipfeltreffen der G-8-Staaten im Juni in Heiligendamm vor. Während der noble Ostseebadeort Heiligendamm seit Monaten festungsartig mit einem kilometerlangen Zaun und Nato-Draht gesichert wird, reicht für den kleinen Gipfel vor Berlin die Sperrung einer Kreisstraße und das Auswerfen einiger Bojen auf dem Schwielowsee. Und während in Heiligendamm Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst seit Wochen die örtlichen Haushalte abklappern und überprüfen, wer sich in der Umgebung für den Urlaub einquartiert hat, reichte in Petzow am Dienstagabend ein Treffen der örtlichen Polizei mit ein paar Anwohnern, um die Passierscheinregeln zu besprechen.

Die einzige Straße, die zum noblen Tagungsort der Finanzminister – dem „Resort Schwielowsee“ – führt, ist von heute Morgen bis Samstagabend gesperrt. Nur die wenigen Anlieger, die an der Straße wohnen, „haben einen Passierschein bekommen“, sagt der Sprecher des für die Außensicherung des Treffens zuständigen Polizeipräsidiums Potsdam, Rudi Sonntag. Kein Radler, kein Fußgänger, kein Auto soll sich dem Hotelkomplex nähern können. Irgendwo zwischen Seeufer, Straße und dem Mirenberg im Petzower Hinterland wacht auch die Spezialeinheit des Landeskriminalamtes über den ordnungsgemäßen Ablauf der Tagung.

„Das Resort in Petzow ist für solche Treffen in Hauptstadtnähe bestens geeignet“, meint ein Sicherheitsexperte. Sehr exklusiv, berlinnah und trotzdem abgelegen genug, um einfach zu sichern zu sein. Hotelbesitzer sind Hans-Hermann Tiedje, früher „Bild“-Chefredakteur, und Axel Hilpert, früher DDR-Antiquitätenhändler und Inoffizieller Mitarbeiter „Monika“ bei der DDR-Spionageabwehr. Dem RBB-Magazin „Klartext“ zufolge sind kürzlich IM-Berichte von Hilpert als Duplikate in Opferakten bei der Birthler-Behörde gefunden worden.

Auch auf der Wasserseite ist das Resort abgeschirmt: Die Sicherheitskräfte haben eine 100-Meter-Zone im See zum Sperrgebiet erklärt, gekennzeichnet durch das „Wasserverkehrszeichen A1“ – rote Bojen. Die Wasserschutzpolizei wird vor dem Hotelkomplex mit drei Booten kreuzen, darunter auch die „WSP 8“: „Das ist ein Jetstream-Boot, das es auf 60 Kilometer pro Stunde bringt – unser schnellstes und modernstes Boot“, wie ein Wasserschutzpolizist schwärmt.

Ansonsten gibt sich das Potsdamer Präsidium betont nüchtern, wenn es um den Aufwand an Sicherheitsmaßnahmen geht. Wie viel Sicherheitspersonal Brandenburg nach Petzow abkommandiert hat, will Polizeisprecher Sonntag nicht sagen. Nur soviel: „Der personelle Aufwand ist für uns nicht so groß, wie er beim G-8-Außenministertreffen am 30. Mai in Potsdam sein wird.“ Einer der Gründe: „Die Finanzminister haben kein Sightseeing-Programm, das wir mit viel Personal abzusichern hätten.“

Nur ein Ausflug ist für die G-8-Finanzminister-Runde geplant: Am Freitagabend steht eine kleine Seefahrt auf dem Schwielowsee auf dem Programm – bei Dunkelheit. Ansonsten werden sich die Delegationen im Hotelkomplex mit Tagungs- und Wellnesszentrum, 124-Luxus-Zimmern, 10 Appartements und acht exklusiven Pfahlhäusern aufhalten, tagen und speisen. Das Resort wurde von der Bundesregierung als Gastgeber komplett angemietet.

Dass die Sicherheitsleute allzu viel zu tun bekommen werden, davon gehen die Behörden derzeit nicht aus. Es seien derzeit keine Protestaktionen in unmittelbarer Nähe des Resorts bekannt, heißt es aus Sicherheitskreisen. Lediglich eine offizielle Veranstaltung ist angemeldet worden: Heute Abend wollen G-8-Gegner und Nichtregierungsorganisationen gegen die Politik der großen Industrienationen und der Weltbank unter dem Motto „Deine Stimme gegen Armut“ demonstrieren – im Zentrum von Potsdam, 15 Kilometer vom Tagungsort entfernt.

Im Übrigen bliebe Demonstranten ohnehin nur ein – kostspieliger – Weg, sich dem Tagungsort zu nähern: Der Luftweg. Ein Überflugverbot für das Resort sei zwar geprüft, dann aber doch nicht verhängt worden, sagt Polizeisprecher Sonntag. Für den Fall, dass es Hinweise auf Protestflüge gibt, kann aber jederzeit auch noch der Luftraum gesperrt werden – die Luftwaffe jedenfalls hat Bereitschaft.

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