Der Tagesspiegel : Über Nacht am Tropenstrand

In Tropical Islands bleiben viele Gäste gleich zwei Tage. Erstmals schreibt das Erlebnisbad schwarze Zahlen

Claus-Dieter Steyer

Brand – Der Freizeitpark „Tropical Islands“ profitiert offenbar von der Wirtschaftskrise und erzielt erstmals einen operativen Jahresgewinn in Höhe von mehreren Millionen Euro. „Wir sind selbst überrascht vom Besucheransturm“, sagte Geschäftsführer Ole Bested Hensing kürzlich am Rande der Premiere einer neuen Abendshow. „Aber die Menschen wollen sich wohl von schlechten Nachrichten ablenken und strömen von fern und nah in unsere Halle.“

Das Ergebnis schlägt sich in der vorläufigen Bilanz des am 31. Januar 2009 beendeten Geschäftsjahres nieder. „Vor Steuer, Abschreibungen und Zinsen haben wir tatsächlich einen Überschuss von mehreren Millionen Euro zu verbuchen“, erklärte Hensing. „Das ist das erste Mal seit der Eröffnung des Freizeitparks Ende 2004.“ Nicht nur die Zahl der verkauften Tickets sei gestiegen, sondern auch der Pro-Kopf-Umsatz. Genauere Zahlen wollte Hensing nicht preisgeben. Sie seien dem malaysischen Konzern Tanjong als Eigentümer vorbehalten, der seinen Jahresbericht erst in einigen Wochen vorstellen wird. Die Bilanz für das vorherige, am 31. Januar 2008 beendete Geschäftsjahr, registrierte rund 700 000 Besucher, die im Schnitt 29,42 Euro ausgaben. Diesmal dürften es zwischen drei und sechs Euro mehr sein.

Beim Blick in die Besucherstatistik fällt der starke Anteil von polnischen Gästen auf. Rund die Hälfte aller Ausländer, die 13 Prozent aller Gäste in der Halle ausmachen, stammt aus dem Nachbarland. Fernsehwerbung und Spielszenen aus der Tropenhalle in einer täglich ausgestrahlten TV-Serie haben Tropical Islands dort bekannt gemacht. 52 Prozent der Gäste kommen aus Ostdeutschland, ansonsten dominieren Touristen aus Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Gerade die Gäste mit längerem Anfahrtsweg übernachten auch in der Halle. Allerdings sind die 350 Plätze in den Zelten fast immer ausgebucht, so dass viele Menschen mit einer Strandliege und lediglich mit einem Handtuch auf dem Sand vor den großen Badebecken Vorlieb nehmen. Derzeit übernachten hier täglich rund 1000 Menschen, im Oktober 2008 waren es sogar doppelt soviel. Der Eintrittspreis von derzeit 25 Euro für einen Erwachsenen und 19,50 Euro für Kinder zwischen 4 und 14 Jahren gilt für eine unbeschränkte Aufenthaltsdauer. Inzwischen soll es zumindest einen regelrechten Dauerbewohner geben.

„Die von uns anfangs nicht in diesem Ausmaß erwarteten Übernachtungszahlen haben doch zu einem erhöhten Reinigungsaufwand geführt“, meinte der Geschäftsführer Bested Hensing. Seit Anfang Februar gelte deshalb ab 3 Uhr ein Nachtzuschlag in Höhe zehn Euro. Entlastung erhofft sich das Management von etwa 2000 Ferienhäusern in der Umgebung der einstigen Luftschiffhalle. Allerdings hat die Bank der dänischen Eske-Gruppe, die schon im nächsten Jahr die ersten 200 Häuser eröffnen wollte, gerade Pleite gemacht. „Die dänischen Partner haben uns allerdings versichert, dass die Pläne für die Ferienhäuser nicht auf Eis gelegt werden“, erklärte der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge. „Sie suchen fieberhaft nach neuen Geldgebern.“ Das bestätigte auch der Direktor von Europas größtem Ferienhausanbieter Novasol, Bernd Muckenschnabel, der die Werbung für die neue Anlage übernehmen wird. „Es könnte zu gewissen Verzögerungen kommen, aber in den Urlaubskatalogen für 2010 werden die Ferienhäuser ,Tropical Islands’ auf jeden Fall stehen“, sagt er.

Werbung für den Freizeitpark, in dem derzeit 500 Menschen arbeiten, gibt es neuerdings auch im Cottbuser Stadion der Freundschaft. „Tropical Islands“ hat eine Werbebande des FC Energie gekauft und tritt bei den Heimspielen gegen Bremen, München und Hertha als „Sponsor des Tages auf“. Energie Cottbus sei ein Sympathie- und Imageträger der Region, sagte Marketingmanager Kim Schäfer. „Deshalb wollen wir auch finanziell dazu beitragen, dass in der Lausitz weiterhin Erstliga-Fußball zu sehen ist.“

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