Überleben im Irak : Im Schatten des Terrors wächst das Elend

Oxfam schlägt Alarm: Acht Millionen Iraker brauchen dringend humanitäre Hilfe. Die tägliche Gewalt lenkt die Aufmerksamkeit des Westens von der menschlichen Not ab.

Amman/DamaskusIm Irak wächst im Schatten der täglichen Gewalt das Leiden der Bevölkerung. Acht Millionen Menschen in dem Bürgerkriegsland benötigten dringend Nahrungsmittel, Medikamente und Unterkunft, berichtete die Hilfsorganisation Oxfam. Hauptleidtragende seien die Kinder, von denen fast ein Drittel unterernährt seien. Oxfam und andere Nicht-Regierungsorganisationen forderten bei der Vorstellung des Berichtes die irakische Regierung und Geberländer auf, den "täglichen Überlebenskampf" der Menschen im Irak mehr zu unterstützen.

Vier Millionen Menschen bekämen nicht regelmäßig etwas zu essen, kritisiert Oxfam. "Die Kinder sind davon am meisten betroffen", heißt es in dem Bericht. Während vor dem Einmarsch der USA 2003 noch 19 Prozent der Kinder unterernährt waren, seien es heute schon 28 Prozent. Die Menschen im Irak bräuchten Nahrung, Unterkunft, Wasser, medizinische Versorgung, Bildung und Arbeit. Die Probleme würden durch massive Flüchtlingsbewegungen verschärft. Zwei Millionen Menschen seien innerhalb des Landes aus ihrer Heimat geflüchtet, mehr als zwei Millionen flohen in Nachbarländer.

Irakische Fachleute haben das Land längst verlassen

Auch durch die Abwanderung von Fachleuten drohe sich die Versorgungsnot zu verschärfen. "Tausende Menschen, medizinisches Personal, Lehrer und Wasseringenieure mussten das Land verlassen", heißt es in dem 45 Seiten umfassenden Bericht. Im Jahr 2006 seien schätzungsweise 40 Prozent aller Führungskräfte aus dem Irak geflohen. "Wenn die grundlegendsten Bedürfnisse vernachlässigt werden, droht das Land weiter destabilisiert zu werden", warnt Oxfam. Bei der Erstellung des Berichts arbeitete die Organisation mit 80 internationalen NGOs und 200 irakischen Hilfsgruppen zusammen, die sich nach dem Einmarsch 2003 zu einem Koordinationskomitee zusammengeschlossen hatten.

Die syrische Regierung warf den USA unterdessen vor, sie leisteten zu wenig Hilfe für irakische Flüchtlinge in Syrien. Gesundheitsminister Maher Hussami sagte am Montag zum Auftakt einer zweitägigen Konferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Damaskus, "das Land, das den Irak besetzt und das hinter der schwierigen Situation steckt, trägt nicht dazu bei, Abhilfe zu schaffen". Von rund 2,2 Millionen irakischen Flüchtlingen halten sich 1,4 Millionen in Syrien auf, 750.000 gingen nach Jordanien. (mit AFP)