Uefa-Cup : Erstes Knirschen bei den "Super-Bayern"

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat nach dem blamablen Remis gegen die Bolton Wanderers Ottmar Hitzfeld kritisiert. Nun kontert der Bayern Coach die Vorwürfe. Aber auch in Leverkusen und in Nürnberg hängt der Haussegen schief.

Hitzfeld Foto: ddp
Not amused. Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wehrt sich gegen die Kritik von Karl-Heinz Rummenigge. -Foto: ddp

München Drei Spiele, kein Sieg - das Champions-League-"Virus" scheint die Bundesliga-Klubs nun auch im Uefa-Pokal infiziert zu haben. Während das 0:2 des im Abstiegskampf steckenden 1. FC Nürnberg gegen den FC Everton nicht überraschend kam, blieb der FC Bayern München mit dem 2:2 gegen die Bolton Wanderers in seinem zweiten Spiel der Gruppenphase weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Anschließend sorgte die heftige Kritik von Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge an der Wechselpolitik von Trainer Ottmar Hitzfeld für reichlich Wirbel bei den Münchnern. Bei Bayer Leverkusens 1:2-Niederlage in Moskau erwies sich Stefan Kießling als Unglücksrabe.

Einen Tag nach der Rummenigge-Schelte ("Die Zuschauer haben das Recht, die beste Mannschaft zu sehen") an Hitzfelds Rochaden setzte sich der Bayern-Trainer zur Wehr. Weil zwischen dem Abpfiff gegen Bolton und dem laut Hitzfeld "noch wichtigeren Spiel" am Samstag in Stuttgart nur 43 Stunden liegen, habe er aus "Vernunftsgründen" mit den Kräften der Spieler sorgsam umgehen müssen. "Ich kann nur sagen, dass wir innerhalb von drei Tagen zwei Spiele haben. Dementsprechend stelle ich die Mannschaft auf", rechtfertigte Hitzfeld seine Entscheidung, Stammspieler wie Martin Demichelis, Zé Roberto oder Philipp Lahm pausieren zu lassen und den starken Regisseur Franck Ribéry sowie den endlich treffenden Doppel-Torschützen Lukas Podolski (30./49.) nach einer Stunde vorzeitig vom Platz zu holen.

Hitzfeld: "In Stuttgart werden wir gejagt"

Vor allem das späte Gegentor durch Kevin Davies (82.) hatte Rummenigge "stocksauer" gemacht und zu einer bislang nicht erlebten Attacke gegen Hitzfeld veranlasst. Rummenigges Aussage nach dem leichtfertig verschenkten zweiten Gruppensieg, "Fußball ist keine Mathematik", traf den Mathematik-Lehrer Hitzfeld unter der Gürtellinie. "Ich hoffe, dass ich das Fußball-Einmaleins kann", entgegnete er bissig. Körperliche Frische sei am Samstag unerlässlich: "In Stuttgart werden wir gejagt. Die ganze Bundesliga wartet darauf, dass es einen neuen Tabellenführer gibt", sagte Münchens Trainer nach dem dritten sieglosen Spiel in Serie.

180 Kilometer weiter nördlich hängt der Haussegen nun endgültig schief. "Ich bin angefressener als nach den Niederlagen zuvor", polterte Hans Meyer nach der Heimpleite des 1. FC Nürnberg gegen Everton. "Die letzten zehn Minuten waren hausgemacht. Das ist für mich unprofessionell, da interessieren mich die 80 Minuten vorher einen Scheißdreck", schimpfte der "Club"-Trainer. Nach dem Fehlstart in die Gruppenphase stehen die vom Bundesliga-Abstieg bedrohten Franken nun auch auf europäischer Bühne mit dem Rücken zur Wand.

Nürnberg hofft auf Wende in der Liga

Es war wie so oft in den vergangenen Wochen beim in dieser Saison bisher auf der ganzen Linie enttäuschenden "Club": Lange Zeit spielten die Franken gegen den Favoriten aus England gut mit, hatten gute Gelegenheiten - und standen am Ende mit leeren Händen da. Die Pleite gegen Everton durch Tore von Mikel Arteta (83./Foulelfmeter) und den pfeilschnellen Victor Anichebe (88.) war die vierte Niederlage in Serie. Nun soll im Bundesliga-Kellerderby bei Arminia Bielefeld die Wende erfolgen. "Ich hoffe, dass wir die Negativ-Erlebnisse nicht nur aus den Beinen, sondern auch aus den Köpfen kriegen", beschwor Manager Martin Bader die Spieler.

Für Leverkusens Negativ-Erlebnis in Moskau zeichnete ausgerechnet "Mr. Europacup" verantwortlich. "Für die Mannschaft tut es mir leid", entschuldigte sich Kießling, der den wohl spielentscheidenden Elfmeter (63.) verursacht hatte. "Das war unnötig, darüber muss man nicht reden." Statt den angestrebten Punkt zu holen, steht Bayer nun im Heimspiel am 6. Dezember gegen Sparta Prag unter Erfolgszwang. "Die Ausgangssituation hat sich verschlechtert. Wir haben nun den Druck, gewinnen zu müssen", sagte Chefcoach Michael Skibbe. Die Teamkollegen nahmen Kießling den Schnitzer nicht übel. Schließlich war der gebürtige Franke in den vorherigen Uefa-Cup-Begegnungen jeweils die entscheidende Figur gewesen. (mit dpa)