Uefa-Cup : Hertha quält sich zum Sieg

Mangelnder Spielwitz, kaum Torchancen: Nach einem mühsamen 2:0-Heimsieg gegen den irischen Klub St. Patrick's steht Hertha so gut wie in der Gruppenphase des Uefa-Cups.

Michael Rosentritt
Jubel Hertha
Spielerisch nicht überzeugt, trotzdem gewonnen. Hertha BSC siegt mit 2:0 gegen St. Patrick's Athletic FC. -Foto: dpa

Es gehört zu einer guten Tradition, dass in einem Fußballstadion die sich duellierenden Mannschaften vor dem Anpfiff einmal freundlich in die Ränge winken. Dieses Ritual bekam gestern in Berlin einen leicht bizarren Dreh. Als die Spieler zum freundlichen Gruß ansetzten, wussten sie für einen Moment nicht, in welchen Winkel des fast leeren Stadions sie grüßen sollten. Über 60.000 Sitzplätze blieben gestern im Olympiastadion frei. Nur 13045 Zuschauer wollten Hertha BSC gegen den irischen Vertreter St. Patrick’s Athletic FC im Hinspiel der ersten Uefa-Cup-Runde sehen. Diejenigen, die sich gewöhnlich für Fußball interessieren, aber gestern den Weg ins Olympiastadion scheuten, haben nicht viel falsch gemacht. Hertha mühte sich in einem weitgehend ereignisfreien Spiel zu einem 2:0-Sieg.

Pausenhighlight: Raffael wird Vater

Herthas Trainer Lucien Favre hatte seine Mannschaft im Vergleich zum vergangenen Bundesligaheimspiel verändert. Patrick Ebert und Raffael standen aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung, dafür rotierte Lukasz Piszczek und Pal Dardai in die Anfangsformation. Gojko Kacar übernahm hinter den Stürmern Marko Pantelic und Andrej Woronin die Rolle Raffaels, ohne Erfolg allerdings. Zudem verzichtete Favre auf die Abwehrkünste seines Innenverteidigers Steve von Bergen, der zuletzt mehrfach gepatzt hatte.

Die Umstellungen zahlten sich für die Berliner nicht aus. In der ersten, einer selten schwachen Halbzeit brachte Hertha gegen die biederen Iren lediglich eine Torchance zustande. Piszczek hatte nach einer Viertelstunde Pantelic bedient, doch Gäste-Torwart Barry Ryan bereinigte die Aktion. Fast im Gegenzug wurde es sogar von dem Gehäuse des Bundesligisten gefährlich. Vorausgegangen war ein Abstimmungsproblem zwischen Kaka und Torwart Jaroslav Drobny. Die wackeren Fans verabschiedeten beide Teams mit Pfiffen in die Halbzeitpause.

In dieser aber wurde es etwa unterhaltsamer. Tatsächlich ließ sich aus Berliner Sicht etwas Zählbares vorweisen. Herthas Brasilianer Raffael war kurz nach Spielbeginn Vater eines Sohnes geworden, der Stadionsprecher übermittelte die frohe Kunde.

Pomadige Spielanlage, kaum Torhchancen

Wenn man berücksichtigt, wie schwer es einem Verein wie Hertha BSC fällt, sich sportlich für den Uefa-Cup zu qualifizieren, umso bedenklicher war mit anzusehen, mit welch lascher Einstellung die Spieler um Kapitän Arne Friedrich Anfangs zu Werke gingen. Beinahe geschwindigkeitslos versuchten die Berliner, den spielerisch arg limitierten Gästen beizukommen.

In der eigenen Spielanlage pomadig bis schwerfällig, eröffneten sich für die Berliner kaum Torraumszenen. Hertha vermochte es nicht, die Iren zu Fehlern zu zwingen, gleich gar nicht sie in Verlegenheit zu bringen. Wenn es bei dem Eindruck aus der ersten Halbzeit geblieben wäre, würden wohl nicht mal mehr diejenigen wieder ins Olympiastadion kommen, die sich gestern trotzig auf dem Weg gemacht hatten.

In der Pause zog Lucien Favre erste Konsequenzen. Für die beiden Mittelfeldspieler Dardai und Kacar, die wirkungslos blieben, spielten fortan Fabian Lustenberger und Maximilian Nicu. Letzteres war es, der fünf Minuten nach Wiederbeginn das erlösende 1:0 für Hertha erzielte. Nach einer Ecke mit vielen hektischen Abwehraktionen der Iren, landete der Ball plötzlich bei Nicu, der einfach mal auf Tor schoss. "Gut wenn man reinkommt und ein Tor schießt, aber das war es 100-prozentig noch nicht", sagte der Torschütze hinterher. Das Rückspiel findet in zwei Wochen in Dublin statt.

Lauer Applaus für Pantelic

Mit der Führung im Rücken spielte Hertha zwar etwas flotter, ohne aber auch nur ansatzweise zu überzeugen. Eine Viertelstunde vor dem Ende konnte Hertha wenigstens das Ergebnis auf 2:0 erhöhen. Woronin scheiterte mit seinem Schuss an Torwart Ryan, doch den abgewehrten Ball stocherte der aufgerückte Cicero über die Torlinie. "In der zweiten Halbzeit waren wir besser. Die Chancen auf ein Weiterkommen sind groß", sagte Lucien Favre.

Kurz vor Schluss kam Herthas Stürmer Nummer drei, Waleri Domowschiyski, ins Spiel. Er erlöste den glücklosen Pantelic. Der Serbe bekam bei seinem Abgang einen lauen Applaus von den Rängen. Viel freundlicher fiel kurz darauf die Verabschiedung der Hertha-Mannschaft nach dem Abpfiff auch nicht aus.