Der Tagesspiegel : Um das Gehalt gepokert

In Stellenanzeigen verlangen Arbeitgeber von ihren Bewerbern oft einen Gehaltswunsch. Doch viele Arbeitnehmer haben Mühe, so einen Wert selbst festzusetzen, und fürchten, sich mit zu hohen Forderungen ins Aus zu katapultieren. Die Karriereberaterin Jutta Boenig aus Überlingen am Bodensee relativiert diese Befürchtungen: „Man wird sich durch hohe Gehaltsforderungen nicht automatisch Jobaussichten verbauen. Wenn eine Firma an einem Arbeitnehmer sehr interessiert ist, lässt sie sich durch so etwas nicht abschrecken“, sagt sie.

Bewerber sollten sich aber unbedingt vor dem Gespräch über ihren Marktwert informieren, um adäquate Zahlen nennen zu können. „Man muss sich überlegen, was man zu bieten hat und was man dafür verlangen kann“, sagt Boenig. Gehaltsspiegel in Fachzeitschriften könnten dabei helfen, ein realistisches Bild vom branchenüblichen Verdienst zu bekommen. „Wenn man Freunde mit demselben Beruf hat, kann man diese bitten, einem aus ihrer Sicht eine Einschätzung des eigenen Gehaltslevels zu geben“, sagt Boenig. Außerdem sollte man wissen, wo die eigene finanzielle Schmerzgrenze liegt. „Eine Aufstellung der monatlichen Ausgaben macht deutlich, wie viel Gehalt man unbedingt braucht und wo noch Verhandlungsspielraum wäre.“

Auch den Marktwert des Unternehmens sollte man berücksichtigen. „Ein regional agierendes Unternehmen kann nicht so viel zahlen wie ein Global Player – das sollte man sich klarmachen, bevor man sich dort bewirbt“, sagt Boenig.

Im Anschreiben gebe man seinen Gehaltswunsch immer als Brutto-Jahresgehalt an. „Man kann beispielsweise schreiben: Aufgrund meiner bisherigen beruflichen Stationen liegen meine Gehaltsvorstellungen bei X Euro zuzüglich Extras“, schlägt Boenig vor. So lasse man sich die Möglichkeit offen, über ein 13. Monatsgehalt oder andere Boni zu verhandeln. ddp

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