Umfrage : Deutsche unzufrieden mit Gesundheitssystem

Reformen der Gesundheitssyteme schmälern bei den EU-Bürgern das Vertrauen, wenn diese nicht einen Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle sicherstellt. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Zufriedenheit der Bundesbürger besonders stark geschrumpft.

DüsseldorfDas Vertrauen der Deutschen in ihr Gesundheitssystem ist laut einer Expertenbefragung stärker gesunken als in den anderen EU-Staaten. Die Eurobarometer-Umfragen zeigten, dass die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem im Durchschnitt von 15 EU-Ländern von 56 Prozent im Jahr 1996 auf knapp 36 Prozent 2002 zurückgegangen ist, ermittelte Claus Wendt vom Zentrum für Europäische Sozialforschung (Universität Mannheim). In Deutschland sei der Anteil der Zufriedenen in diesem Zeitraum sogar von knapp 64 auf 31 Prozent geschrumpft, schreibt Wendt in der Monatszeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institutes der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Lediglich Österreich hebe sich laut Studie "deutlich" von dem negativen europäischen Trend ab. In dem Alpenstaat, der seit den 60er Jahren die gesamte Bevölkerung, also auch Beamte, Selbstständige und Bezieher höherer Einkommen, in die gesetzliche Krankenversicherung integriert hat, sei die Zufriedenheit von knapp 64 auf knapp 69 Prozent gestiegen.

Bürger wollen Gesundheitsversorgung für alle

"In Ländern mit sehr unterschiedlich aufgebauten Gesundheitssystemen besteht nach wie vor weitgehend Konsens darüber, dass es die Aufgabe des Staates sei, für alle Bürgerinnen und Bürger einen Zugang zur Gesundheitsversorgung sicherzustellen", schreibt Wendt. Der Anteil der entsprechenden Antworten beim Eurobarometer sei zwischen 1996 und 2002 von gut 57 auf gut 60 Prozent gestiegen.

Der Zeitraum ab 1996 ist nach Analyse des Forschers besonders interessant, weil sich in zahlreichen europäischen Ländern seit Anfang der 90er Jahre "die Häufigkeit und Intensität von Gesundheitsreformen" erhöht habe. Kernstück der Veränderungen sei oft eine "Kombination aus Leistungseinschränkungen und der Erhöhung privater Zuzahlungen gewesen". (mit dpa)