Umstrittene Abbuchungen : Kreditkartenunternehmen zur Erstattung verurteilt

Ein Gericht hat Verbraucherrechte gestärkt: Ein Kreditkartenunternehmen muss nun nachweisen, dass ein Kunde ein Geschäft veranlasst hat. Kann er das nicht, muss er Abbuchungen erstatten, wenn ein Kunde bestreitet, sie veranlasst zu haben.

MünchenMit dem rechtskräftigen Urteil gab das Amtsgericht München einer Frau Recht, die gegen ein Kreditkartenunternehmen geklagt hatte. Sie hatte 2007 festgestellt, dass auf einer Abrechnung Abbuchungen auftauchten, die sie nicht veranlasst hatte. Daraufhin ließ sie die Karte sperren und ließ für ihre Online-Geschäfte ein Anti-Viren-Programm installieren. Als auch auf Abrechnungen der neuen Kreditkarte nicht veranlasste Abbuchungen erschienen, erstattete sie Strafanzeige und versicherte an Eides statt, dass sie die Umsätze nicht getätigt habe.

Dieser Verlauf trat auch mit der dritten Kreditkarte auf. Doch anders als bei den ersten Malen erstattete das Kreditkartenunternehmen nur noch 60 Euro anstatt der gesamten Summe von rund 700 Euro. Daraufhin klagte die Frau.

Die Bank argumentierte, die Kundin habe entweder die Abbuchungen selbst veranlasst oder Dritten leichtfertig die Möglichkeit verschafft, die Karte zu nutzen. Im Übrigen hätte sie ihre Computer sofort auf Viren überprüfen müssen. Nach Darstellung des Gerichts hat die Bank aber nicht dargelegt, wie sich die Datenübermittlung in den fraglichen Fällen abgespielt haben soll. Selbst wenn ein Virus im System des Computers der Kundin vorhanden gewesen wäre, würde dies nur eine Möglichkeit bedeuten, wie die Händler an die Daten gekommen sein könnten.

Nachdem die Karte mit ihren Nummern bei den vielfachen Einsatzmöglichkeiten vielen Leuten bekannt werden könne, im Übrigen auch Mitarbeitern der Bank, könne ein Datentransfer auch ohne Verschulden der Klägerin zustande gekommen sein, argumentiert das Gericht. Demzufolge müsse die Bank den abgebuchten strittigen Betrag der Kundin erstatten. (sp/dpa)