UN-Klimagipfel : Klimaschutz finden alle irgendwie wichtig

Der Klimagipfel bei den Vereinten Nationen wird von Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundeskanzlerin Merkel als Erfolg gewertet. Auch wenn wenig Greifbares dabei rauskam, sehen die Beteiligten ein "starkes politisches Signal".

UN-Klimagipfel
Im Gespräch: Dänemarks Premierminister Rassmussen (l.) diskutiert mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (r.) beim "Leaders Dinner"....Foto: AFP

New YorkBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine positive Bilanz des UN-Klimagipfels gezogen, bei dem Staats- und Regierungschefs aus aller Welt ihren Willen zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel bekundet haben. Merkel würdigte vor allem die Bewegung der US-Regierung. Sie verwies darauf, dass sich US-Außenministerin Condoleezza Rice klar zu Klimaschutzverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen bekannt habe. "Gemessen an dem, wo wir vor einiger Zeit standen, ist das ein Riesenfortschritt", sagte Merkel.

Meinungsunterschiede sieht Merkel immer noch in der Frage, ob in einem künftigen Klimaabkommen konkrete Reduktionsziele für einzelne Staaten oder Staatengruppen festgelegt werden sollen. Die USA lehnen das ab. Ohne die Vereinigten Staaten zu nennen, sagte Merkel, dass es hier noch Differenzen gebe. Hingegen sah sie Chancen, dass sich die Staaten zunächst einmal auf ein Gesamtziel bei der Reduktion der Treibhausgase verständigen könnten.

Vorbereitung für Bali

Die Klimadiskussion im Vorfeld der UN-Generaldebatte sollte die Konferenz von Bali vorbereiten, bei der im Dezember über die Fortschreibung des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls beraten wird. Merkel sagte: "Die Tatsache, dass sich so viele Staats- und Regierungschefs mit dem Klimawandel beschäftigt haben, ist ein großer Erfolg auf dem Weg zu einem Klimaschutzabkommen nach 2012." Es gebe "nahezu niemanden, der zweifelt an der Herausforderung. Und damit ist der Grundstein gelegt, dass wir handeln können".

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der in New York einen "Durchbruch" für Bali gefordert hatte, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf. "Dieses Treffen hat ein machtvolles politisches Signal an die Welt und die Bali-Konferenz gesandt, dass es auf höchster Ebene den Willen und die Entschlossenheit gibt, mit der Vergangenheit zu brechen und entschieden zu handeln", sagte er.

Zuvor hatten Spitzenpolitiker aus 150 Ländern - darunter 80 Staats- und Regierungschefs - die Notwendigkeit zu einem raschen gemeinsamen Vorgehen betont. Merkel sagte: "Der Klimawandel wird zu dramatischen Schäden führen, wenn wir nicht entschlossen handeln." Auch Ban warnte vor "verheerenden Folgen", sollte die internationale Gemeinschaft nicht schnell reagieren. Merkel verwies auf die wachsenden Gefahren durch Überflutungen und Dürrekatastrophen und auf erwartete Wohlstandseinbußen von bis zu 20 Prozent.

USA setzen auf Technologie

US-Außenministerin Rice bekannte sich klar zu einem Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen, machte aber deutlich, dass die USA mehr auf neue Technologien als auf den Abbau von Treibhausgasen setzen: "Unsere Bemühungen (...) sind auf die technologische Entwicklung ausgerichtet."

Heute wird in New York die traditionelle UN-Generaldebatte beginnen. Für den ersten Tag des fast zweiwöchigen Redemarathons stehen Beiträge unter anderem von US-Präsident George W. Bush, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Merkel auf dem Programm. Der ebenfalls geplante Auftritt des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad löste schon im Vorfeld massive Proteste aus. Nach Angaben des Fernsehsenders CBS hatten sich bereits am Morgen rund 25.000 Demonstranten um das abgeriegelte UN-Gebäude versammelt. (mit dpa)