Der Tagesspiegel : Und liefert und liefert und liefert

VW baut in Ludwigsfelde ein Ersatzteilzentrum. 300 Mitarbeiter sollen ganz Ostdeutschland beschicken

Claus-Dieter Steyer

Ludwigsfelde - Das südwestliche Berliner Umland beweist sich wieder als ein Kraftzentrum des Landes. Denn während fast überall die Zahl der Arbeitsplätze teils dramatisch zurückgeht, steigt sie zwischen Ludwigsfelde, Dahlewitz, Mahlow und Dahlewitz weiter an. Seit gestern drehen sich im „Preußenpark“ vor den Toren von Ludwigsfelde Kräne und Bagger für einen neuen Hoffnungsträger: VW baut bis Mitte 2006 ein Ersatzteilzentrum, das 350 Jobs bietet. Von hier aus sollen alle 3500 VW-, Audi-, Skoda- und Seat-Händler in ganz Ostdeutschland betreut werden.

Knapp 50 Millionen Euro lässt sich der Wolfsburger Konzern sein Engagement kosten. Aus der Landeskasse gab es rund ein Fünftel der Summe als Fördergeld. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sprach vor der Grundsteinlegung dann auch vom „Goldstaub“, der in Ludwigsfelde zu greifen sei. „350 Arbeitsplätze bedeuten Perspektiven für 350 Familien, zumal die meisten Jobs an frühere Arbeitslose gehen“, sagt er. Ludwigsfelde sei in seinen Augen ein „sehr gutes Beispiel für die neue Förderpolitik des Landes“. Mittel würden dort eingesetzt, wo sie am effektivsten seien. „Ludwigsfelde zieht die ganze Region mit.“ MTU, Thyssen und Daimler-Chrysler würden hier bereits erfolgreich arbeiten.

Platzeck erhielt für seine neue Förderpolitik der Konzentration auf Wachstumskerne gleich die Anerkennung von Bundesfinanzminister Hans Eichel. „Das frühere Gießkannenprinzip bei der Verteilung der Mittel war nie erfolgreich“, sagte er vor den VW-Managern.

Die Stadt und der Landkreis Teltow-Fläming lockten den VW-Konzern mit keinen zusätzlichen finanziellen Mitteln. Deren Stärken liegen anderswo. So wurde die Baugenehmigung innerhalb von sieben Wochen erteilt. Die Verwaltungen unterstützten auch den Bau des 600 Meter langen Gleisanschlusses des neuen Logistikzentrums. Hier werden künftig jeden Tag 20 Eisenbahnwaggons mit Ersatzteilen aus dem VW-Europa-Lager bei Kassel eintreffen. Lastwagen übernehmen dann die weitere Belieferung der Händler. „Nicht nur wir sparen Geld, sondern auch der Kunde“, versicherte Stefan Jacoby, Generalbevollmächtigter des VW-Konzerns. „Wir versorgen die Werkstätten ab Mitte 2006 zweimal täglich mit den gewünschten Autoteilen.“

Ludwigsfelde setzte sich gegen 64 andere Orte durch, die sich ebenfalls in Wolfsburg um den Standort des ostdeutschen Logistikzentrums beworben hatten. Die mit der Prüfung der Bewerber betraute Firmengruppe Eduard Winter lobte das Entgegenkommen der Brandenburger Behörden. „Hier waren wir willkommen, ganz im Gegensatz zu Berlin“, sagte Willi Peters, Beiratsmitglied der Firmengruppe. Bislang konzentrierte sich die Ersatzteilbelieferung der VW-Werkstätten auf das Vertriebszentrum in der Goertzallee in Berlin-Lichterfelde. Doch es platzt längst aus allen Nähten.

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