Der Tagesspiegel : …und noch ein Volvo

Unterwegs im Alltag – heute mit einem Kombi, der sich für Passagiere und Sperrgut gleichermaßen lang macht

Auf den ersten Blick

folgt gleich ein Disput: Früher, sage ich, da habe ich das Heck der Volvo-Kombis geliebt. Klare Kante, 850, keine Schnörkel. Heute finde ich das Hinterteil verspielt. „Quatsch“, erwidert der Freund, „bei dem zählt, was rein geht. Das ist eine Menge.“ Wir lassen die Falten in der Klappe und die markentypisch geknickten Rückleuchten also erstmal außer Acht – und einigen uns auf die Formel „ganz schönes Schiff“.

Pluspunkte gibt es vor allem für…

die Gelassenheit, mit der dieses Auto die Einschätzung des Freundes bestätigt. Er baut sich ein Doppelbett – die Lattenroste liegen auf 2,40 Meter langen Balken und die wiederum im veloursbelegten Schwedenlaster. Das Beladen macht wenig Mühe, die Ladekante ist nicht zu hoch. Um die Rücksitze flachzulegen reicht eine Hand, und Ausbuchtungen oder Überstände, an denen man mit dem Ladegut gerne mal hängenbleibt, gibt es hier nicht. Die Räder der Kleinen kommen am Sonnabend trotzdem nicht in die gute Stube: Zwar würden sie ohne Mucken reingehen. Aber soo dreckig?! Wohlgefühlt haben sich im V 70 alle, die mal mitgefahren sind. Dass man hinter die schwebende Mittelkonsole fassen kann, sorgt bei Volvo-Laien immer noch für Staunen – genauso wie der ausgereifte Tempomat, der einem in Verbindung mit dem Abstands-Assi unglaublich entspannte Autobahnfahrten ermöglicht. Das Fahrwerk des V 70 ist gutmütig; der starke, aber nicht aufdringliche Fünfzylinder verdient das Prädikat „turbo“.

Weniger Charme hat…

der ständige Luftstrom, der aus den seitlichen Düsen im Armaturenbrett kommt. Wie man die Klima auch einstellt, ein bisschen zieht’s immer. Ein wenig enttäuscht hat die Automatik. Bei lebhaftem Verkehr

hat sie zuweilen Mühe, hinterher zu kommen. Der hypernervöse Parkwarner macht einen kirre: Gepiepe an jeder Ampel, an jedem Bordstein: schlicht Berlin-untauglich. Unser Wagen war mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgerüstet. Leider – nach einer Radpanne hat das den Werkstattaufenthalt um einen Tag verlängert.

Das spannendste Detail…

findet sich im hinteren Teil des Kombis. Den Mach-mal-von-alleine-Knopf auf der Innenseite der Heckklappe haben wir lieben gelernt. Hände voll, Auto trotzdem zu – praktisch. Ein anderes Merkmal konnten wir ob des Frühlingseinbruchs nicht mehr ausprobieren: Die Seitenscheiben des Laderaums sind beheizbar!

Unterm Strich die richtige Wahl für…

reife Junggebliebene, die wissen, wo sie stehen und wo sie komfortabel hin wollen. Hektik? Nie gehört. eric

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben