Der Tagesspiegel : Unfall auf dem Lausitzring: Die Streckenposten und die Sicherheit

Reinhart Bünger

Ohne die Arbeit der Streckenposten stünden die Räder des Formel-1-Zirkus still. Mit ihren gelben, roten oder blauen Fahnen warnen sie die Piloten vor herannahenden Fahrzeugen und Gefahrensituationen oder signalisieren einen vorzeitiges Ende des Rennens. Darüber hinaus melden sie der Rennleitung Regelverstöße auf der Strecke. Die Arbeit der Streckenposten wird kaum wahrgenommen - es sei denn, es kommt zu schweren Unfällen.

Als ein Streckenposten beim Grand Prix von Australien zu Tode kam, setzte die Diskussion über die Sicherheit der Helfer am Rande der Rennkurse wieder ein. Der 51-Jährige wurde Anfang März in Melbourne Trümmerteilen getroffen, nachdem der Rennfahrer Jacques Villeneuve durch einen Hochgeschwindigkeitskollision mit Ralf Schumacher ausgehebelt wurde. Es kursieren diverse Verbesserungsvorschläge:

Flaggensignale könnten im Zeitalter der Computertechnik auch über Automaten erfolgen

Zusätzlich zu Flaggensignalen an der Strecke könnten Warnlampen im Cockpit aufleuchten

Betonhäuschen könnten Streckenposten besser schützen

Höhere und stärkere Zäune könnten verhindern, dass Trümmer verletzen

Für Streckenposten könnte eine Helmpflicht eingeführt werden.

Selbst wenn die Streckenposten durch diese und andere Maßnahmen besser geschützt werden könnten, bleiben zwei Fragen offen: Hilfskräfte, wie zum Beispiel Feuerwehrleute, blieben in Gefahrenbereichen ungesichert. Wie kann überdies verhindert werden, dass die Streckenposten ihren Standort verlassen?

Hinzu kommt, dass Sicherheitsvorrichtungen nicht immer zuverlässig sind - wie das Unglück von Melbourne zeigt. Harald Roth, Chef der Streckensicherung auf dem Hockenheimring, sagte, der Tod des Helfers sei möglicherweise auf einen "extra für die Fotographen in den Zaun geschnittenen Schlitz" zurückzuführen gewesen. "Wenn dem so war, dann kann das Fahrzeug mit dem Rad in den Schlitz hineingekommen sein und an der nächsten Schiene wurde das Rad abgerissen. Ich habe nur drei Räder gesehen, als Villeneuve mit seinem Wagen wieder aufsetzte. Das vierte Rad war nicht zu sehen", so Roth. So könne das Rad nach innen geflogen sein.

Der stellvertretende Rennleiter des Nürburgrings, Arno Derihs, beurteilte die Praxis an einigen Rennstrecken skeptisch, die Streckenposten durch Betonhäuschen zu schützen. Zum einen müssen auch ein solches Gebäude zu einer Seite hin offen sein. Zum anderen sei auch ein solches Häuschen schon einmal überfahren worden - während eines Truck-Rennens auf dem Nürburgring.

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