Der Tagesspiegel : Unfall auf dem Lausitzring: Gegen Übermotivation hilft kein Training

Claus-Dieter Steyer,Reinhart Bünger

Der am Donnerstag auf dem EuroSpeedway Lausitz getötete Streckenposten hat den Unfall wahrscheinlich selbst verursacht. Es gebe bisher keine Anzeichen für ein Fremdverschulden, die Ermittlungen würden jedoch fortgesetzt, teilte das Polizeipräsidium Cottbus am Freitag mit. Der 43-jährige Streckenposten war bei Vorbereitungsfahrten für ein Rennen am nächsten Wochenende in einer Kurve auf die Piste gelaufen, um ein Stück Zierleiste von der Bahn zu entfernen. Dabei wurde er von einem Fahrzeug erfasst und getötet. Der 27-jährige Fahrer konnte nach Experteneinschätzung das Unglück nicht verhindern. Mit dem erneuten Tod eines Streckenpostens, flammt die Diskussion um die Sicherheit der Helfer an den Rennstrecken wieder auf.

Keiner der Streckenposten in Klettwitz konnte sich erklären, warum der aus dem unmittelbar an der Rennstrecke gelegenen Dorf Meuro stammende Familienvater bei laufendem Betrieb auf die Bahn gelaufen war. "Er war bestimmt übermotiviert", sagte ein Kollege. Er habe das Beste gewollt. "An der Ausbildung hat es nicht gelegen", erklärte Wolf Böhnisch, der zweite Vorsitzende des Vereins S.C.O.U.T, der die Streckenposten stellt.

Geschult werden die Helfer durch den ADAC. "Schon 1999 haben wir in der Umgebung des Lausitzringes mit der Werbung von Streckenposten begonnen", sagte Gerhard Gottlieb, im Vorstand des ADAC Berlin-Brandenburg für den Motorsport zuständig. Rund 400 Frauen und Männer hätten sich gemeldet. Für das Betreten der Strecke habe es keine Weisung von der Race-Control gegeben, das Verhalten stelle einen grundlegenden Verstoß gegen die Regeln dar, die während der eineinhalbjährigen Ausbildung vermittelt worden seien. Besondere Schulungen werde es nach dem Unglück nicht geben, die Anleitung der Streckenposten sei ein dauernder Prozess, betonte Gottlieb. Das Verhalten des Mannes wird aber bei den weiteren Schulungen angesprochen und ausgewertet. Dabei werden die Posten nochmals darauf hingewiesen, dass es bei den Gefahren keine Unterschiede zwischen Testfahrten und Rennen gibt. Bei Tests seien nur weniger Fahrzeuge unterwegs, was vielleicht unterschwellig ein falsches Gefühl von weniger Gefahr beim Betreten der Strecke erzeuge, sagte der ADAC-Vertreter. Es gelte der Grundsatz, dass bei laufendem Betrieb die Piste nicht betreten werden dürfe.

Schwerpunkte der mindestens zweitägigen Schulungen seien das richtige Verhalten der Streckenposten an der Strecke sowie Retten, Bergen, Löschen und natürlich die Flaggenkunde gewesen. "Diese Unterweisungen werden regelmäßig wiederholt und in Unterlagen festgehalten", erklärte Gottlieb. Jeder Streckenposten besitze außerdem einen Sportwarte-Ausweis, der alle Einsätze dokumentiert. Bei den bisherigen Veranstaltungen auf dem Lausitzring hätten sich die Helfer von den jeweiligen Veranstaltern gute Noten verdient. Eine Überprüfung der Kenntnisse gibt es aber nicht. "Wir veranstalten keine speziellen Tests und stellen auch keine Zertifikate oder Urkunden aus", teilte der ADAC-Experte mit. Nur die Rennleitungen werden eingehender geschult und überprüft.

Auf allen Rennstrecken Europas haben sich die Streckenposten in eigenen Vereinen zusammengeschlossen. Sie geben sich einen Namen und eine spezielle Kleidung oder Abzeichen. Auf dem Nürburgring erfüllt beispielsweise der "Marshal-Club" alle Anfragen nach Posten. Auch dessen Mitglieder werden regelmäßig vom ADAC geschult, bestätigte eine Nachfrage in Koblenz. Die Streckenposten am Lausitzring haben sich den Vereinsnamen "S.C.O.U.T" gegeben. Alle Einsätze erfolgen ehrenamtlich. Das Tagegeld bewegt sich bei maximal 40 Mark. Auch bei Formel-1-Rennen arbeiten keine fest angestellten Posten. Allerdings werden die Formel-1-Streckenposten besser bezahlt.

Gestern war noch nicht ermittelt, mit welcher Geschwindigkeit der Fahrer des Opel Astra OPC den Posten erfasst hatte. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Aber das Unglück geschah in einer Kurve, so dass der Sportwagenfahrer den Mann erst in letzter Sekunde gesehen haben dürfte. Er rechnete schließlich auch nicht mit der Person. Die Rennleitung wollte nach der eingegangenen Meldung vom Gegenstand auf der Strecke gerade das Signal für das Zeigen der roten Flagge geben. In diesem Moment lief der Streckenposten in den Tod.

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