Der Tagesspiegel : Ungeliebte Bodenschätze

Russen ließen riesige Mengen Benzin versickern. Die Sanierung braucht Zeit

Claus-Dieter Steyer

Priort – Die Brandenburger Vorkommen an Flugzeugbenzin dicht unter der Erdoberfläche sind größer als vermutet. Allein in Niedergörsdorf bei Jüterbog wurden seit 1998 rund 1,6 Millionen Liter gefördert. Ein Ende ist nicht abzusehen, in anderen Landesteilen hat die genaue Erkundung noch gar nicht begonnen. Die reichsten „Lagerstätten“ befinden sich am Rande der von den russischen Truppen bis 1994 genutzten Flugplätze und unter den zehn Großtanklagern. Hier drangen unvorstellbare Mengen von Kerosin, Benzin, Diesel und Schmierstoffen in das Erdreich ein. „Die größten Gefahren für das Trinkwasser wurden beseitigt“, sagte Andreas Isenberg, Altlasten-Chef der Brandenburgischen Bodengesellschaft, gestern in Priort. „Allerdings sind von den 100000 Hektar früherer Militärflächen erst 50 Prozent vom Gift befreit worden.“

So wie in Niedergörsdorf wurden an vielen Orten ganze Tanklastwagen mit Kerosin einfach im Erdreich entleert. „Man berichtete uns haarsträubende Geschichten“, erzählte Isenberg. „Danach wurden an manchen Tagen nicht so viele Trainingsflüge absolviert wie eigentlich geplant. Doch die Tanklastzüge konnten oder wollten mit ihrer Ladung nicht wieder ins Lager zurück und öffneten ihre Schläuche einfach am Rande der Rollbahn.“ Die seit 1998 aus dem Erdreich abgepumpten 1,6 Millionen Liter Kerosin konnten nur mit Mühe abgesetzt werden. Denn sie befanden sich ohne Mineralölsteuer auf dem Markt. Mit einer Ausnahmegenehmigung des Zolls wurde das Kerosin schließlich an Zementfabriken verkauft, die damit ihre Öfen heizen.

Das Beseitigung der Kerosin-Seen sowie die Hebung der maroden Tanks und Ölfässer kostete seit 1994 rund 45 Millionen Euro.

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