Der Tagesspiegel : Ungetrübter Badespaß im Land der 3000 Seen Die Gewässer sind zum Saisonstart am Wochenende noch etwas kalt, aber sauber und garantiert algenfrei

Claus-Dieter Steyer

Bad Saarow - Bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 35 Grad Celsius wird so mancher Brandenburger oder Ausflügler aus Berlin am Wochenende den Sprung ins kühle Nass wagen. Eine Abkühlung ist garantiert – bis gestern betrugen die Temperaturen der rund 3000 Brandenburger Seen im Schnitt nicht mehr als 15 bis 17 Grad Celsius. Doch gerade bei flachen Seen dürfte die Erwärmung in den nächsten Tagen schnelle Fortschritte machen, zumal auch die Nächte mit 16 Grad recht mild ausfallen und kühlender Wind vor allem in den südlichen Landesteilen fehlen wird. Zum Auftakt der Badesaison gibt es jedenfalls an keiner der 224 regelmäßig kontrollierten Badestellen des Landes ernsthafte Beanstandungen. Alle Gesundheitsämter der Landkreise gaben nach ihren Tests auf Sauberkeit, Sichttiefe, Färbung des Wassers und Auftreten von Mineralölen grünes Licht für unbeschwertes Badevergnügen.

Alle 14 Tage werden diese Tests wiederholt. Dabei untersuchen die Fachleute unter anderem den Anteil von fäkalcoliformen Bakterien in einem Gewässer. Steigt deren Zahl über einen von der EU festgelegten Grenzwert, ist mit einem erhöhten Krankheitsrisiko zu rechnen. In den vergangenen Jahren führte mangelnde Hygiene der Badegäste besonders an kleinen und flachen Seen zu einem verstärkten Auftreten von Fäkalbakterien.

Das braucht zu Beginn der Badesaison niemand zu befürchten. Ebenso besteht noch keine Gefahr von Blaualgen. Deren verstärktes Wachstum hatte im vorjährigen August zur Sperrung von Badestellen geführt. Die so genannten Wasserblüten entwickeln sich in nährstoffreichen Gewässern zu teilweise dichten blaugrünen oder grünen Teppichen. Bestimmte Blaualgen bilden Gifte, die beim Verschlucken von Wasser aufgenommen werden und zu Beschwerden wie Erbrechen und Durchfall führen können.

Die Tests der Gesundheitsämter erstrecken sich auch auf Hautreizungen und allergische Reaktionen. Kaum noch eine Rolle für die Wasserqualität spielen Verunreinigungen aus DDR-Zeiten. Die Natur hat die Hinterlassenschaften aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten in den vergangenen 15 Jahren erstaunlich gut verarbeitet. Neue Belastungen kommen nach den Einbrüchen in der Industrie und Landwirtschaft nicht mehr hinzu. Außerdem leiten heute fast alle Haushalte ihre Abwässer in öffentliche Kanalisationsnetze oder in dichte und damit sichere Gruben auf ihren Grundstücken.

Wer über die Wasserqualität ganz genau Bescheid wissen und sich nicht nur auf die Angaben der Gesundheitsämter verlassen will, kann bei den örtlichen Fischern anrufen. Aus der Liste der in ihren Gewässern vorkommenden Fischarten lässt sich ganz auf die Wasserreinheit schließen. Die Maräne kommt nur in Gewässern mit höchster Qualität vor. Aber auch Hecht und Schleie gelten als ein untrüglicher Gradmesser. „Der Hecht kann nicht im trüben Wasser überleben“, sagt Fischer Holger Rölke aus Groß Schauen südöstlich Berlins. „Er sucht schließlich seine Nahrung mit den Augen.“ Die großen Seenketten rund um Storkow und Bad Saarow hätten sich in den letzten Jahren zu Hechtrevieren entwickelt.

Empfehlenswert ist nach wie vor der Selbsttest vor dem Badevergnügen: im knietiefen Wasser sollten die Füße noch gut zu sehen sein.

Informationen zu Seen und Badestellen bei den Gesundheitsämtern der Landkreise oder im Internet unter www.brandenburg.de/badestellen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben