Unglück im Freilufttheater : Tod während der Vorstellung

Ende eines Freilufttheater-Spektakels: Ein erfahrener Pilot stürzte mit seiner Cessna ab – die Ursache ist noch unklar.

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Wrack auf freiem Feld: Noch ist nicht klar, warum Rudi Hackls Cessna nahe dem Flugplatz Zellendorf / Oehna abegstürzt ist.
Wrack auf freiem Feld: Noch ist nicht klar, warum Rudi Hackls Cessna nahe dem Flugplatz Zellendorf / Oehna abegstürzt ist.Foto: BZ

Oehna – Noch ist die Ursache für das tragische Ende einer Open-Air-Theatervorstellung auf dem Flugplatz Oehna bei Zellendorf unklar. Denn unweit des Geländes im Landkreis Teltow-Fläming stürzte am Freitagabend der 71-jährige Rudi Hackel, Besitzer der örtlichen Flugschule Fläming Air, mit seiner einmotorigen Cessna 172 in den Tod. Eine gespielte „Notlandung“ auf dem Platz hätte zu den Höhepunkten der Inszenierung des Stückes „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry gehören sollen. Zum Stück eines Autors, der selbst bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Die Inszenierung war der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 15jährigen Jubiläum des Brandenburg-Engagements des Berliner „Theater 89“, das seine Spielstätte im Ort Altes Lager bei Jüterbog hat. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Fläming Air unter der Regie von Hans-Joachim Frank als Freiluftspektakel mit Schauspiel und Musik auf dem Flugplatzgelände inszeniert.

Insgesamt waren mit der Premiere am 12. August neun Vorstellungen vorgesehen, an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden jeweils von Freitag bis Sonntag um 21 Uhr.

Bei der siebten Aufführung geschah es. Die Flugszene wurde laut Programm von unterschiedlichen Piloten der Fläming Air geflogen, bei den ersten Vorstellungen saß Juniorchef Martin E. am Steuer. Am Freitag war Rudi Hackel selbst mit der viersitzigen Cessna gestartet. Doch die Maschine tauchte nicht wieder auf, der Funkkontakt riss ab, es wurde Alarm gegeben. Bald war es traurige Gewissheit: Die Cessna war kurz nach Beginn der Vorstellung gegen 21.15 Uhr abgestützt, in einer Kiesgrube in Mügeln, einem Ortsteil von Jessen gleich hinter der nahen Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, zerschellt. Für den Flugschulbesitzer, einen erfahrenen Piloten, kam jede Hilfe zu spät. Die Aufführung wurde abgebrochen, die weiteren Vorstellungen am Sonnabend und am gestrigen Sonntag abgesagt.

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nahm gemeinsam mit der Kripo die Ermittlungen auf. Die Untersuchungen werden voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Ein technischer Defekt könne ebenso wenig ausgeschlossen werden wie ein Pilotenfehler oder eine gesundheitliche Beeinträchtigung des Mannes, sagte der Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt-Ost, Ralf Moritz. Teile des Flugzeugwracks seien sichergestellt worden, die Staatsanwaltschaft habe bei dem Toten eine Obduktion angeordnet.

In der Brandenburger Luftsportszene verbreitete sich die Nachricht vom Absturz Hackels am Wochenende wie ein Lauffeuer. „Luftfahrt verliert regionalen Pionier“ überschrieb der Berliner Piloten-Controller-Club eine Traueranzeige auf seiner Website.

Der frühere Segelflieger Hackel hatte nach dem Mauerfall die Vision einer Flugschule mit eigenem Flugplatz, machte die Motorflug- und Fluglehrerausbildung und eröffnete am Tag der Wende auf dem alten Flugplatz Oehna die wohl erste private Flugschule in den neuen Bundesländern. Weil die Nutzung begrenzt war, baute er im vier Kilometer entfernten Zellendorf den neuen Flugplatz Oehna auf, der Ende 1991 in Betrieb ging. 1995 wurde die Landebahn asphaltiert, zwei Jahre später verlängert und mit einer Nachtflugbefeuerung ausgestattet. Mit mehr als 30 000 jährlichen Flugbewegungen wurde Oehna zum drittgrößten Verkehrslandeplatz Brandenburgs nach Schönhagen und Strausberg. Später entwickelte Hackel in der zum Platz gehörenden Flugzeugwerft mit dem „Smaragd“ ein Ultraleichtflugzeug, das Ende 2003 seine Zulassung erhielt. Der Pilot hatte auch ein Herz für die Kultur. Schon 2010 war der Flugplatz Kulisse für eine Inszenierung der Verdi-Oper Nabucco.

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