Unicef : Finanz- und Imageverlust setzt sich fort

Seit dem Beginn der Finanzaffäre hat das Kinderhilfswerk Unicef rund sechs Millionen Euro an Spenden verloren. Das schlechte Image der Organisation wird zudem durch einen anderen Fakt weiter gefördert: Ex-Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs arbeitet offenbar noch immer in der Kölner Zentrale des Hilfswerks.

KölnDie Unicef-Sprecherin Helga Kuhn bestätigt in einem Radio-Interview die genannten Verlustzahlen. Neben den rund sechs Millionen Euro Spendeneinbußcen habe sich laut Kuhn außerdem auch etwa ein Zehntel der regelmäßigen Spender von Unicef abgewandt. Von 200.000 Geldgebern seien bisher 20.000 abgesprungen.

Der Trend hält an - denn das Hilfswerk bemüht sich nicht gerade um Glaubwürdigkeit oder schnelle Aufarbeitung. Wie Edith von Welser-Ude, ein Mitglied im deutschen Unicef-Komitee bestätigt, arbeitet der zurückgetretene Geschäftsführer Dietrich Garlichs noch immer in der Kölner Unicef-Zentrale. Die Ehefrau des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude (SPD) hält das für einen "Skandal". Auf Nachfrage hatte man ihr mitgeteilt, dass Garlichs' "Sachverstand und große Erfahrung" noch gefragt seien. "Er kann jetzt doch dort nicht anfangen zu sortieren", sagt Ude mit Blick auf die Vorwürfe gegen Garlichs. Die alten Strukturen seien nach wie vor nicht ganz beseitigt. "Das ist eine Verdummung all jener, denen Unicef und die Kinder am Herzen liegen."

Sofortiger Neuanfang notwendig

Auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß ist erbost. Der verbliebene Vorstand des deutschen Unicef-Komitees soll nach Ansicht der Politikerin umgehend zurücktreten. Nach der Aberkennung des DZI-Spendensiegels "muss Unicef sofort einen Neuanfang machen", verlangt Gruß. Die für den 10. April anberaumte Mitgliederversammlung des Kinderhilfswerks sei daher "zu spät". Miriam Gruß ist ebenfalls Mitglied im deutschen Unicef-Komitee.

Der Vorstand habe bis heute nicht begriffen, "welche Tragweite das Ganze hat. Jetzt hat er es mit Brief und Siegel bekommen". "Der ganze Vorstand gehört sofort ausgewechselt", verlangt auch Edith von Welser-Ude. "Nur so kommen wir aus dem Sumpf raus." All die "gravierenden Fehler" hätte man vermeiden können, wenn der Vorstand beim Auftauchen der ersten Unregelmäßigkeiten sofort eingeschritten wäre, gibt sich Welser-Ude überzeugt. (cp/dpa/ddp)