Unruhen in der Karibik : Ausschreitungen auf Martinique

Auf der Karibikinsel Martinique wurden bei Ausschreitungen Polizisten durch Schüsse verwundet. Seit Wochen protestieren Arbeitnehmer in dem französischen Überseedepartement für Lohnerhöhungen. Der Konflikt ist zudem durch den ethnischen Konflikt aufgeladen: Die meisten Arbeitgeber sind Weiße.

Julian Mieth
Unruhen auf MArtinique
Unruhen: Auf der französischen Karibikinsel Martinique demonstrieren Arbeitnehmer seit Wochen für Lohnerhöhungen. -Foto: AFP

Paris30 Tage nach Beginn von Protestaktionen zur Durchsetzung von Lohnerhöhungen ist es am Freitag und in der Nacht zum Samstag auf Martinique zu schweren Ausschreitungen gekommen. Randalierer griffen eine Demonstration von Kleinunternehmern gegen die Blockaden an und setzten Autos in Brand. Drei Polizisten wurden nach Angaben der Behörden durch Beschuss mit Schrotmunition verwundet.

Der Präfekt der französischen Karibikinsel, Ange Mancini, rief über den Rundfunk RFO zur Ruhe auf und erklärte, die Streikbewegung sei für die Schüsse nicht verantwortlich. Die Gewerkschaft CDFT nannte die Kundgebung der Unternehmer eine "Provokation der Béké“. Als Béké werden die Nachkommen der weißen Sklavenhalter bezeichnet. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Angespannte Situation auch nach Einigung

Trotz einer Einigung auf 200 Euro höhere Löhne und auf die Senkung der Preise für 400 Produkte um 20 Prozent blieb die Lage auch am Sonntag auf Martinique angespannt. Autos wurden in Brand gesteckt und Plantagenbesitzer und Unternehmer angegriffen, die gegen die seit einem Monat andauernde Blockade der Wirtschaft demonstrierten. Unternehmer erklärten im Rundfunk, sie seien nur angegriffen worden, weil sie weiß seien.

Der Bürgermeister der Inselhauptstadt Fort-de-France, Serge Letechimi, erklärte die Probleme mit der Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent und der sozialen Ungleichheit. "Die Sklaverei hat sich in Paternalismus verwandelt, der an autoritäre Herrschaft grenzt", sagte er dem Pariser "Journal du Dimanche". "Es gibt eine Sehnsucht nach Frankreich und gleichzeitig ein Misstrauen gegen den Staat."

Unruhen mit ethnischem Hintergrund

Auf Guadeloupe gibt es keine Nachfahren der Sklavenhalter, weil alle bei der französischen Revolution geköpft wurden oder flohen. Dort haben später zugewanderte Libanesen und Europäer Plantagen und Unternehmen aufgebaut. Trotz einer Einigung der Gewerkschaften mit der Regierung geht auch der Sozialkonflikt auf Guadeloupe weiter. Manche Unternehmen wollen die Lohnerhöhung um 200 Euro nicht akzeptieren. Streikführer Elie Domoto drohte: "Entweder sie wenden die Vereinbarung an oder sie verlassen die Insel. Wir lassen nicht zu, dass eine Bande Béké die Sklaverei wieder einführt.“

Die Staatsanwaltschaft leitete wegen dieser Erklärung Ermittlungen wegen Aufrufs zum Rassenhass ein. Domoto beharrte auf seine Erklärung und sprach von "Provokation des Kolonialstaates" - 80 Prozent der Bürger Guadeloupes sind beim Staat angestellt oder leben von staatlicher Unterstützung.

Die Hochschullehrerin Patricia Braflan-Trobo aus Guadeloupe erklärte am Samstag auf der Nachrichtenseite "nouvelobs.com", der soziale Konflikt vermenge sich mit einem Kampf gegen Diskriminierung. Die Demonstranten seien schwarz und ihre Verhandlungspartner weiß. Als Staatssekretär Yves Jégo nach Verhandlungen nach Paris zurückgerufen worden sei, habe man erklärt: "Der weiße Minister lässt die Neger im Stich." Jégo soll noch im März in die Karibik reisen, um eine Konferenz über die Zukunft der Überseegebiete vorzubereiten.