Der Tagesspiegel : Unter dem Schutz der Schlangen

Das Spitzenhotel „Zur Bleiche“ im Spreewald hat seinen vor sieben Monaten abgebrannten Wellnessbereich neu eröffnet

Claus-Dieter Steyer

Burg. Das Flaggschiff der Brandenburger Hotelerie ist wieder komplett. Am gestrigen Dienstag wurde im mehrfach ausgezeichneten Spitzenhotel „Zur Bleiche“ im Spreewald-Dorf Burg der vor sieben Monaten abgebrannte Wellness-Bereich wieder eröffnet. Mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern gehört die so genannte Landtherme zu den größten Sauna-, Massage-, Schwimmbad- und Fitnessanlagen in Deutschland. Der Vorgängerbau zählte 3200 Quadratmeter. Er war in der Nacht vom 9. zum 10. September niedergebrannt.

Erste Vermutungen hatten damals eine Brandstiftung nicht ausgeschlossen. Doch die Experten des Landeskriminalamtes ermittelten in langer Kleinarbeit einen Kurzschluss an einem Kabel in der ersten Etage des Hauptgebäudes als Ursache. Der dadurch ausgelöste Brand breitete sich damals zwar sehr schnell aus, doch die Hotelgäste blieben unversehrt. Zwei Feuerwehrmänner erlitten bei den Löscharbeiten leichte Verletzungen.

Den materiellen Schaden bezifferte Heinrich Michael Clausing, der mit seiner Frau Christine das Haus 1992 eröffnet hatte, auf über vier Millionen Euro. Er hoffe, dass die Versicherung die Summe trage. Um aber den Ausfall so kurz wie möglich zu halten, habe er zunächst einen Kredit aufgenommen. Die Zerstörung des Wellness-Bereiches hatte sofort zu einem Einbruch bei den Buchungszahlen geführt. Diese gingen um 80 Prozent zurück. Vor allem Tagungen wurden umgehend storniert. „Dennoch haben wir keinen unserer 124 Angestellten entlassen“, sagte Clausing. „Mit dem Wiederaufbau zogen wir außerdem Investitionen vor, die wir erst in vier oder fünf Jahren geplant hatten.“

Doch die Gäste in den insgesamt 90 Zimmern werden beim Besuch der Landtherme viele vertraute Annehmlichkeiten wiederfinden. Dazu gehören das scheunenhohe Kaminzimmer, das Innen-Schwimmbad mit loderndem Kaminfeuer, die Kräuterkammer oder das türkische Schwitzbad Haman. Neu im Angebot befinden sich eine russische Dampfsauna, ein orientalischer Meditationsraum, eine Dampfsauna mit Saline oder ein Jungbrunnen-Bad mit rhythmischer Unterwasser-Bürstenmassage.

Mehr als zwei Dutzend Lastzüge hatten in den vergangenen Monaten aus ganz Europa dicke Balken aus Eichenholz angeliefert, um der Therme den typischen ländlichen Stil zu verleihen. Außer 300 Quadratmetern Holz für Balken und Wandverkleidung wurden auch 1400 Quadratmeter Terrakottafliesen verbaut. Überall in den Massage-, Sauna- und Ruheräumen schmücken jetzt gekreuzte Schlangenköpfe Möbel und Türen. Die Schlangen spielen eine wichtige Rolle in der Sagenwelt der Sorben und gelten als Schutzpatrone für den Spreewald. Sie sollen nicht zuletzt einen neuen Brand verhindern.

Das Hotel „Zur Bleiche“ befindet sich in der Bleichestraße 16 in Burg, Telefon 035603/620. Es ist über die Ausfahrt Vetschau/Burg der Autobahn A 15 zu erreichen. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Vetschau an der Strecke Berlin-Cottbus. Im Internet: www.hotel-zur-bleiche.com

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