Unterm Adler : Stimmenfang im Wahlkampf

Thorsten Metzner über Fisch- und Stimmenfang, Sex und Rechenkunst.

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Speerdpa-Zentralbild

Angler sind ein eigentümliches Völkchen, oft meditierende Einsame in der Natur. Es gibt allerdings auch den ehrgeizigen Gruppenangler, der das Palaver braucht und dem Erfolg etwas nachhilft. Zu welcher Petrijünger-Spezies SPD-Fraktionschef Gunter Baaske, der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski und der Abgeordnete Werner-Siegwart Schippel gehören, ist nicht bekannt. Fest steht aber, dass das sozialdemokratische Männertrio jetzt aus dem seenreichen Brandenburg zum Angelurlaub nach Norwegen zog, wo man bekanntlich nur Köder und Haken ins Wasser halten muss und selbst als Laie garantiert dicke Fische an Land zieht. Tatsächlich hievten die drei nach ihren Schilderungen zentnerweise Rotbarsch, Dorade, Makrelen und Seeteufel ins Boot, um diese lecker zu brutzeln, zu verzehren oder einzulegen. Den größten Fang machte mit einem Ein-Meter-Fisch der einzige Nicht-Politiker an Bord: Der 18-jährige John Baaske, Sohn des Fraktionschefs. Jetzt steht in der Heimat wieder Stimmenfang an.

Da waren die Christdemokraten richtig sauer: SPD-Finanzminister Rainer Speer, der starke Mann hinter Regierungschef Matthias Platzeck, hat die Kosten der Wahlprogramme von SPD und CDU berechnen lassen: Die Versprechen der Union würden danach das Land 942 Millionen Euro bis 2014 kosten, die der SPD angeblich nur 212 Millionen Euro. Seltsam, dass die Linken gar nicht dabei waren – vielleicht weil die diesmal sparsamer mit Forderungen sind. Trotzdem wollte der CDU-Abgeordnete Wilfried Schrey jetzt offiziell von der Regierung wissen, wann dem Parlament als „Haushaltsgesetzgeber“ Kalkulationen zu den Programmen aller bei der Landtagswahl antretenden Parteien zur Verfügung gestellt werden. Die Antwort von Speer: „Es steht dem Landtag frei, der Landesregierung einen derartigen Auftrag zu erteilen.“ CDU und Linke finden das frech: Das Parlament müsste dafür eine Sondersitzung in der Sommerpause einberufen.

Dr. Guido Beier, Jahrgang 1967, Brandenburger FDP-Kandidat aus Hoppegarten für den Bundestag, wagt sich auf heikles Terrain: Der an der TU Berlin forschende Psychologe lüftete nämlich in einer Pressemitteilung das Geheimnis, warum FDP-Anhänger den meisten Sex haben, gegenüber anderen Partei-Anhängern zugleich aber am treuesten sind. Dies hatte das Magazin Cicero in einer repräsentativen Sommerloch- Umfrage unter 1256 Deutschen herausgefunden. Als einziger Politiker weit und breit wagte Beier dafür eine Erklärung – die er in den FDP-Werten fand: „Gelebte Freiheit und Verantwortung führen zum Erfolg bei der Arbeit, beim ehrenamtlichen Engagement, in der Partnerschaft – und eben auch im Bett“. Fazit: „Mehr Liberalismus tut Brandenburg gut.“ Auf gar nicht so biedere Wahlplakate mit dem Motto „Liberal, aber sexy“ darf man gespannt sein.

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