Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner rühmt die Nützlichkeit eines Lineals

Thorsten Metzner

Der Auftritt sprach sich bis zu Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) herum: In der Verhandlung zum Bombodrom bei Wittstock lehrte eine Frau die Militärs das Fürchten. Beate Vondenhof, Vorsitzende Richterin des Potsdamer Verwaltungsgerichts, brachte die Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums in Nöte – darunter Luftwaffen-Inspekteur Klaus Peter Stieglitz. Es ging um Flugkorridore, Geschwindigkeiten von Kampfjets, Viererformationen, Lärmpegel. Dem Publikum brummten die Köpfe wegen der komplizierten Materie. Aber Vondenhof arbeitete hochkonzentriert den handgeschriebenen Fragenkatalog ab. Und siehe da, mal hatte die Bundeswehr mit einem Gutachten über Wildgänse nachzuweisen versucht, dass Zuchtputen den Tornadolärm vertrügen. Mal wies die Richterin mit dem Lineal nach, dass mit den offiziellen Luftwaffenkarten etwas nicht stimmen konnte: Auf einer liege der Ort Ichlim zwei Kilometer von der nächsten Tiefflugroute entfernt, auf einer anderen sei es nur ein Kilometer. Die Bundeswehr konnte den Widerspruch selbst nach einer Auszeit nicht auflösen. Da braucht man sich über das Urteil von Vondenhof nicht zu wundern.

Mit Kreativität in der Politik ist es so eine Sache. Originelle Sprüche und einprägsame Begriffe sind offenbar immer schwerer zu finden. Märkische Christdemokraten staunten jedenfalls erheblich, als sie im jüngsten Blatt der SPD-Landtagsfraktion „fraktion aktuell“ über einem Bericht zum Einbürgerungsfest des Landtages Folgendes lasen: „Neue Brandenbürger“. Die Union hatte schon vor acht Jahren auf einem Wahlplakat eine junge Frau als „Brandenbürgerin“ tituliert. Nur dass damals die SPD darüber hergezogen war.

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