Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über neue Autos und alte Anreden für Politiker

Thorsten Metzner

Politiker tun einiges gegen den Klimawandel. Sie reisen nach Grönland wie die Kanzlerin, um sich zu vergewissern, dass es auf dem Planeten wirklich wärmer wird. Manche tauschen aber auch einfach ihre PS-starken Dienstwagen gegen ein ökologisch sinnvolleres Modell um, so wie es jetzt Dietmar Schulze, Brandenburgs parteiloser Agrar- und Umweltstaatssekretär, vormacht. Zwar fährt Schulze schon jetzt im Vergleich zu Amtskollegen anderer Länder nur einen Audi A6, obwohl er auch das größere Modell, den Audi A8, nehmen könnte. Aber ihm genügt das nicht. „Ich hole mir jetzt einen Toyota-Lexus als Dienstwagen, natürlich mit Hybridantrieb“, verkündete er jüngst in kleiner Runde. „Klimaschutz fängt eben im Kleinen an.“ Im Herbst will er den Japaner zunächst testen, der als Staatssekretärskarosse wohl eine Deutschland-Premiere sein dürfte.

Es ist eine Firma, die Menschen glücklich machen kann: So hat Brandenburgs Lottogesellschaft mittlerweile über 60 Märker zu Millionären gemacht. Aber auch die Landesregierung freut sich jedes Jahr über rund 50 Millionen Euro, die sie als Konzessionsabgabe von der Lottogesellschaft bekommt. Das Geld dürfen die Minister nämlich für wohltätige Zwecke im Land verteilen, was dem eigenen Ansehen ja auch nicht schadet. Ein besonders intensives Verhältnis zu den Lotto-Managern Klaus Walkenbach und Horst Mentrup muss der frühere Regierungssprecher Erhard Thomas gepflegt haben, der das Amt in der Stolpe-Ära innehatte. Das ist zwar lange her, seit 2002 ist der frühere Fernsehjournalist Thomas Braune der amtliche Verlautbarer. Doch die Lotto-Post wurde unverdrossen weiter an seinen Vorgänger adressiert, so dass die Staatskanzlei im Vorjahr schon einmal dezent auf den Fehler hinwies – mit Erfolg. Vor wenigen Tagen flatterte der neue Lotto-Geschäftsbericht ein, super korrekt an Thomas Braune adressiert. Nur das Anschreiben, unterzeichnet von Mentrup und Walkenbach, beginnt wie eh und je: „Sehr geehrter Herr Thomas ...“

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