Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Eitelkeiten und ein rot-rotes Fußballspiel

Thorsten Metzner

Klappern gehört zum Politikerhandwerk. Aber manche übertreiben: Die Brandenburger SPD-Abgeordneten Jens Klocksin und Elisabeth Alter verschickten jetzt eine Pressemitteilung, wonach sie es mit ihren Internet-Auftritten „unter die Top 100“ aller bundesdeutschen Landtagsabgeordneten geschafft haben, auf die Plätze 97 und 90. Mit keiner Silbe erwähnten sie, dass ein Kollege aus dem Brandenburger Parlament, Stefan Sarrach von der Linkspartei, bei dem bundesweiten Webseitentest 2007 der Zeitschrift „politik & kommunikation“ den ersten Platz belegt hat. Zwei andere Linkspolitiker, Peer Jürgens (Platz 57) und Ingeborg Kolodzeike (Platz 68), liegen ebenfalls vor den beiden Genossen.

Das Verhältnis zwischen SPD und Linkspartei in Brandenburg entspannt sich zunehmend. Mal plauschen SPD-Landeschef Matthias Platzeck und Linkspartei-Fraktionschefin Kerstin Kaiser in der Babelsberger Gaststätte „Jourfixe“. Morgen Abend liefert man sich im Potsdamer Lok-Stadion nahe der Glienicker Brücke ein rot-rotes Fußballduell. Für die Sozialdemokraten stürmen unter anderem Staatskanzleichef Clemens Appel und Bauernpräsident Udo Folgert. Für die Linkspartei treten unter anderem der frühere PDS-Bundesgeschäftsführer Rolf Kutzmutz und die jungen Abgeordneten Andreas Goerke und Carolin Steinmetzer-Mann an. Bei der CDU hatte niemand angefragt. In Anspielung auf die Querelen in der Union hieß es bei der SPD süffisant: „Fußball ist ein Mannschaftsspiel.“

Matthias Platzeck entschuldigte sich beim Spätsommerfest der Landespressekonferenz mit einem „lange vorher geplanten Termin“. Er leistete Wahlkampfunterstützung in Falkensee, wo der SPD-Landtagsabgeordnete Heiko Müller Ende September zum Bürgermeister gekürt werden will. Im Hotelrestaurant „Zum Kronprinzen“ labte man sich mit 30 Unternehmern an einem ausgezeichneten Sechs-Gänge-Menü. Bürgermeisterkandidat Müller war zufrieden. Ein Unternehmer verabschiedete sich mit den Worten: „Meine dreihundert Stimmen haben Sie.“

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